Volkswagen no es una marca, es una familia!

16.05.2009 - 08.07.2009

Eigentlich dreht es sich in unserem 10. Logbucheintrag um zwei wesentliche Dinge. Zum Einen, um die Volkswagen begeisterten Zentral- und Südamerikaner und zum Anderen, um den, im Vergleich zu unserer Zeit in Nordamerika (Mexiko gehört dazu), etwas veränderten Reiserhythmus. Somit trägt unser Reisebericht auch intern den Titel „Vier- Länder- Woche bei Dahmer/ Schmitz“. Aber dazu später mehr.

Um es gleich vorweg zu nehmen, die Zeilen, die ihr gerade lest und die Bilder, die ihr euch gerade anschaut, haben wir in San Rafael, einem Vorort Quitos, der Hauptstadt Ecuadors, online gestellt.Guatemala ist also schon ´ne ganze Weile her!

In Seattle angekommen, setzte ich mich in den Bus und fuhr in Richtung University District. Schon beim Anflug auf das, an der Elliot Bay gelegene City Center, deren verglaste Wolkenkratzer, wie Diamanten, in der Sonne glänzten, lief es mir vor Freude kalt den Rücken hinunter. Ein starkes Glücksgefühl versetzte mir einen gewaltigen Klos im Hals, der mir das Atmen erschwerte. Ein Gefühl wie bei der Heimkehr, nach einer langen Zeit. Im Bus genoss ich es einfach nur da zu sitzen, mich an der wärmenden Sonne zu erfreuen und aus dem Fenster zu starren. Es zogen Gebäude und Straßen an meinen Augen vorüber, die Dirk und ich damals, vor beinahe einem Jahr, das erste Mal erblickten. Als all dies noch völlig fremd für uns gewesen ist und wir noch niemanden in der neuen Welt kannten.

Man befindet sich in einem Film, an dem man, ohne viel Text und eher unauffällig, teilnimmt und jede Szene als stiller Beobachter miterlebt. Dabei scheint man sich selbst wesentlich langsamer zu bewegen, als all die anderen Darsteller. Ich genoss die kontaktfreudige und unkomplizierte Art der Menschen und unterhielt mich mit meiner Sitznachbarin, einer älteren Dame, die ihr ganzes Leben in Seattle verbracht hatte. Schnell wird man wieder aufgenommen und ist einer der Protagonisten des Films, in dem man sich pudelwohl fühlt. Das alles; das Gefühl beim Anblick der überraschten Gesichter meiner Freunde, die nichts von meinem Besuch wußten und die ganzen herzlichen Umarmungen und freudestrahlenden Gesichter genoss ich sehr, mehr als jemals zuvor; schwirrten mir doch noch die, von Armut zeugenden, Bilder Mexikos und Zentralamerikas vor den Augen. Ich war mir meines Privilegs bewusst.

Ich kann es nur bestätigen, Distanz lässt einen schnell vergessen. Der Mensch ist ein Wesen der Sinne, unsere Umwelt nehmen wir mit unseren Augen wahr, wir riechen, hören, schmecken und fühlen. Unsere Vorstellungskraft hingegen nimmt nur eine relativ schwache Position ein. Erst, wenn wir etwas durch unsere eigenen Augen beobachten, setzt diese Art der Wahrnehmung eine Kette von Reaktionen in uns frei, die Gefühle in uns hervorrufen und somit eine Handlung veranlassen. In welcher Art sei dahin gestellt.

Damals in der Schule sprachen wir über Ethik und in dem Zusammenhang über die Entwicklung moderner Massenvernichtungsmittel. Es ist mehr als einleuchtend, dass die Gefühle eines Menschen, der irgendwo in dieser Welt auf den „Knopf einer Bombe drückt“, nicht in vollem Maße auf seine Handlung Einfluß nehmen können. Die Menschen, denen er mit seiner Handlung Schaden zufügt, sind hunderte von Kilometern entfernt. Sie sind außer Sichtweite. Er nimmt die Menschen nicht mit seinen Augen wahr, kann deren Angst weder spüren, noch sehen, riechen oder fühlen. Würde er diesen Menschen mit einem Messer gegenüber stehen, sehe seine Reaktion sicherlich anders aus.

Die Menschheit bewegt sich leider immer mehr in Richtung Unmenschlichkeit und Anonymität. Armut, Schmerz und Leid sind weit entfernt, hat man sie nicht direkt vor Augen. Im Zeitalter der sogenannten Globalisierung entfernen wir uns immer weiter von einander, ziehen uns in unsere eigene kleine, „heile Welt“ zurück. Das Zusammenwachsen der Länder kommt wenn, dann höchstens dem ungleich verteilten Reichtum zu Gute, jedoch nicht der, immer stärker verkümmernden, Zwischenmenschlichkeit und Humanität.

All diese Gedanken, die uns während solch einer horizonterweiternden Reise in den Sinn kommen und begleiten, mögen sich sehr schwarzmalerisch und übertrieben anhören, doch leider erreicht man einen großen Teil der Menschen heutzutage nur noch durch die Verwendung von Extremen. So, wie man es täglich in seiner Umwelt wahrnehmen kann, ob in der Presse, dem Fernsehen oder dem Leben vor der eigenen Haustür.

Was wir hier in den „Nicht- Industrie- Staaten“ festgestellt haben: Die Menschen sind reich ohne viel zu besitzen. Sie besitzen einen Reichtum, der in den meisten Industriestaaten durchs „liebe Geld“ ersetzt wurde. Werte wie Herzlichkeit, Liebe und die Gabe zu teilen. Hier ist der Mensch noch ein Mensch, ob klein oder gross, weiß oder schwarz, reich oder arm.

Entschuldigt, falls wir da wieder etwas weiter ausgeholt haben, aber irgendwie müssen wir ja die traditionelle Länge unserer Berichte beibehalten und außerdem gehört das genauso dazu wie die Golden Gate Bridge in San Francisco und die Tempelanlagen von Machu Picchu in Peru.

Nach zehn wunderschönen Tagen mit meinen Freunden in Seattle, katapultierte mich ein Flieger zurück nach Guatemala City, in einen anderen Teil der Realität. Hier traf ich mich wieder mit Dirk, der während dieser Zeit seine Spanischkenntnisse in einer Sprachschule, in dem touristenbesetzten Antigua de Guatemala, erweitert hatte. Ich denke, wir beide teilen eine starke und gute Freundschaft miteinander, um so wichtiger ist es, sich in solch einem Extremzustand, wie einer über einjährigen Reise ( 24 Stunden täglich), Freiräume zu schaffen. Diese Art Pausen voneinander, sind nicht schädlich, sondern freundschaftfördernd und sehr wichtig.

Ein Freund unserer Fairbanks Clique aus Alaska, der mit seinem Hund, für einen Sommer, entlang der Pipeline wanderte, schrieb in seinem Buch, dass er es abgelehnt hatte von seinem besten Freund begleitet zu werden, da ihm ihre Freundschaft zu viel bedeutet. Es klingt im ersten Moment seltsam, macht aber Sinn. Somit haben Dirk und ich uns doch bisher ganz wacker geschlagen und sollten wir auch in Zukunft noch das ein oder andere Mal eine Parkbank miteinander teilen, so haben wir ´ne Menge Geschichten zu erzählen und das bis ins hohe Alter.

Noch am selben Tag fuhren wir nach El Salvador. In einer der darauf folgenden Nächte erreichten wir eine Stadt namens San Miguel, in der wir uns, bei aufkommender Dunkelheit, auf die Quartiersuche machten. Ein Kleintransporter, den wir zuvor auf der Landstraße mit unserer Rennbrezel überholt hatten, kam uns nun entgegen. Der Fahrer, ein jüngerer, gepflegter Typ in weißem Hemd, forderte uns auf, den Wagen zu stoppen. Erst, als er uns zu verstehen gab, dem VW Club El Salvadors anzugehören, kurbelten wir unsere Scheiben ein wenig hinunter und legten unser Misstrauen bei Seite. Er bot uns seine Hilfe an. Nach einem kurzen Telefonat, lotste er uns zu dem Hotel seines Freundes. Ohne die Ausgeschlafensten zu sein, erkannten wir beide schnell, um was fuer eine Art von Unterkunft es sich hierbei handelte.

Ein 24 Stunden Motel, sprich ein Liebesnest für die schnelle Nummer. Für Menschen, bei denen das Vorstellen der neuen Errungenschaft bei den Eltern zu Hause, länger dauern würde als die eigentliche „Liebesbeziehung“; oder auch für diejeniegen, die ihr neustes Spielzeug nicht mit dem Partner daheim teilen möchten. Manche kommen auch einfach nur hierher, um die Liegesitze ihres neuen Autos zu testen oder so wie wir, der günstigen, sauberen und sicheren Übernachtungsmöglichkeit wegen. Die Latinas/os sind ein Volk mit Feuer im Blut und Hummeln im Hintern. Dies ist eine Tatsache und spiegelt sich deutlich in der Anzahl der „Stundenliebesnester“ wieder. Es gibt sie in Hülle und Fülle und in allen erdenklichen Farben, doch ein Merkmal teilen sie sich alle; eine hohe Mauer, die das Gelände umfaßt und die Aktivisten vor neugierigen Blicken schützt. Es gibt zwei Ausführungen dieser „Drive through“- Spielplätze. Die billigeren Versionen bestehen lediglich aus einer Ansammlung von Reihengaragen, die anstelle eines Tores, grosse Vorhänge besitzen. Die gehobenere Version, also sozusagen das Ritz- Carlton unter den Beglückungsbuden, besteht aus einer fest verschliessbaren Garage, von der aus man über eine inliegende Treppe, das darüber befindliche, klimatisierte Schlafzimmer erreicht. Diese unterscheiden sich, mit ihrem eigenen Badezimmer, nicht wirklich von üblichen Hotelzimmern. Naja, bis auf einige, kleine Details. Da gibt es zum Beispiel diesen riesigen Papierspender, direkt am Kopfende des Bettes. Hierbei könnte man ja noch seine eventuell aufkommenden, schmutzigen Gedanken verdrängen, könnte sich denken, dass es auf Grund der starken Temperaturunterschiede zwischen der heissen, schwülen Aussenluft und dem klimatisierten Inneren, häufig zu Erkältungen kommt. Doch erblickt man dann die lustig illustrierten Hinweistafeln zur Benutzung eines Kondoms und der Pille für danach, dann weiß man, dass in dieser Institution ganz viel Liebe steckt. Sollte man hungrig werden, körperliche Arbeit ruft ja häufig Appetit hervor, akuten Mangel an Lümmeltüten feststellen oder eine kleine, blaue Pille benötigen, um die Präservative überhaupt nutzen zu können, dann entnimmt man dem Menü einfach die Preise, gibt seine Bestellung telefonisch durch und empfängt die Ware über eine kleine Öffnung in der Außenmauer des Zimmers.

Wer jetzt noch sagt, dass Liebe immer ein Geschäft des Herzens sei...,das alles ist ein ausgeklügeltes und durchdachtes System und zu dem anscheinend auch noch sehr rentabel. Ich hatte bisher bereits einmal das „Vergnügen“, in einem Motel in Kalifornien, zwei Menschen bei der Ausübung der drei Phasen eines Liebesaktes, akustisch beiwohnen zu müssen. Doch in dieser Nacht schliefen Dirk und ich bei absoluter Ruhe wie Babys im Schoß ihrer Mütter. Zuvor lernten wir bei einem gemeinsamen Abendessen einen Teil des VW Club El Salvadors besser kennen, zeigten ihnen Fotos und beantworteten eine Menge interessierter Fragen.

Muchas Gracias a Raul y al VW Club de ElSavador por la noche divertida!

Ausgeschlafen und erholt ging es am folgenden Morgen, leider ohne erfrischende Klimaanlage an Bord, weiter in Richtung Nicaragua. Über Honduras, das wir zu einem kleinen Teil durchqueren mussten, gibt es nicht viel zu berichten. Die Zeit für das Erledigen der Grenzformalitäten, hat unsere eigentliche Aufenthaltsdauer im Land beinahe übertroffen.

Die Grenzüberschreitungen in den zentralamerikanischen Staaten sind so eine Sache für sich und zählen zu den ganz speziellen Erfahrungen, die man in die Schublade mit der Aufschrift „Andere Länder, andere Sitten.“ ablegen kann. Es fängt damit an, dass man als „Nicht- Latino“ ein großes, leuchtendes „hilfsbedürftiger Tourist“ auf der Stirn zu stehen haben scheint. Viele der“behilflichen“ Einheimischen nehmen die Gringos jedoch nur als herumirrende Geldbörsen wahr. Da Dirk und ich nun nicht wirklich als Latainamerikaner durchgehen und wir aufgrund der buntbeklebten Brezel eher als Wanderzirkus Aufmerksamkeit erregen, beginnt das Prozedere bereits einige hundert Meter vor der eigentlichen Grenze. Am Straßenrand lauernde Menschen, die sich, beim Anblick der Weißen in ihrem Clownsmobil, wie die Geier aufs Aas stürzen und neben dem Wagen herlaufen. Dabei wedeln sie mit Geldbündeln und rufen einem ständig den selben Satz zu: „Amigo, Amigo, I can help you!“ Man wundert sich darüber, der Freund eines Menschen zu sein, den man nie zuvor gesehen hat, fragt sich, wobei er einem helfen möchte (Trage ich heute ausversehen mein Hemd auf links oder habe ich noch Essensreste im Mundwinkel hängen?) und stellt sich die Frage: „Sind alle Weißen im Ausland automatisch US- Amerikaner? Warum werde ich nicht auch mal in deutsch belästigt?“

Schafft man es, dem ersten Angriffstrupp durch Gewichtsverlagerung des Gasfußes zu entfliehen, reicht die Zeit gerade so aus, um noch einmal tief durchzuatmen, bevor der selbsternannte Hilfscorp mit stark erhöhter Mannschaftszahl auf den Wagen einfällt, wie die Fliegen auf die Sch... . Nach oft geprobten Grenzübergängen und dem Ersetzen von Dirks Nerven durch Drahtseile, stellte sich folgende Vorgehensweise als sinnvoll heraus. Fenster und Türen verschlossen, bzw. verriegelt halten, die nötigen Papiere zur Hand nehmen, noch einmal tief durchatmen (ein zweites Mal kann ja nicht schaden) und sich dann, mit einem Gesichtsausdruck bewaffnet, der soviel sagt wie: „ Ich weiß genau was ich hier tue!“ schnellen Schrittes (ohne dabei jedoch Panik zu suggerieren) auf den ersten Schalter zu zubewegen. Zielstrebig und sicher auftretend, wie ein Profi. Die Ohren schaltet man dabei am besten auf Durchzug und wiederholt dabei ein- bis zweimal das man ihre Hilfe sehr zu schätzen weiß und auf sie zurückkomme, sollte man irgendwelche Komplikationen haben. Wichtig! : Immer schön freundlich aber bestimmend bleiben.

Hat man dann mehr oder weniger erfolgreich den Schwarm von freiwilligen Helfern abgewimmelt, muss man sich anschließend nur noch mit dem ganz normalen und offiziellen Wahnsinn auseinandersetzen. Beim Überschreiten einer Grenze, reist man ja nicht nur ins nächste Land ein, sondern auch aus dem vorherigen aus. Das heißt, Personen und Fahrzeug müssen nicht nur ein-, sondern auch ausgestempelt werden. Was oft mit viel Hin- und Herlauferei und einer Menge Papierkram verbunden ist. Stempel hier, Kopien dort, hin und wieder Formulare, die mit persönlichen Daten gefüllt werden müssen. Manchmal kommt dann auch noch der Abschluß einer Kfz- Versicherung hinzu. Ein Glück, dass bisher noch niemand so richtig die Lust besessen hat den Wagen und dessen Inhalt genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei all dem Kram, den wir mit uns herum kutschieren, würden wir die Zeitspanne für einen Grenzübertritt deutlich heraufsetzen und den Rekord brechen.

Wir freuen uns, dass die Länder Südamerikas wieder etwas mehr Fläche bieten , so halten sich die Grenzüberschreitungen wenigstens in Maßen. Ein großes Dankeschön an Duana- Dirk, der mit Hilfe seiner Drahtseile, eine Grenze nach der anderen vernascht.

Seit dem Verlassen Guatemalas werden nun die zahlreich besuchten Tempelanlagen durch häufig auftretende Vulkane ersetzt.

In Nicaragua wurden wir weit vor den Toren der Hauptstadt Managuas von Norma und Enrique in Empfang genommen. Klar, wie sollte es auch anders sein, auch sie fahren und leben Volkswagen. Der Kontakt zu den Beiden wurde bereits lange Zeit zuvor, mit Hilfe von Hugo und Mema (H2- Projekt Käfer), die wir damals per Zufall auf der Baja California getroffen hatten, geknüpft. Dieses Käferteam blieb gleich mehrere Monate bei der „Volkswagenfamilie“ hängen.

Wir dachten schon immer, dass wir beide in unserer Zirkusbrezel auffallen, doch an diesem Tag wurden wir eines Besseren belehrt. Der Anblick, des uns entgegenkommenden Käfers samt Besatzung zauberte uns spontan ein Lächeln ins Gesicht. Roncalli und Co waren gestern! Ein glitzernder, nagellackfarbener Käfer mit neongrün und gelb abgesetzten Details wie Felgen, Radkappen, Stoßstangen und Dachgepäckträger und dazu passend farbigen, riesigen, auflackierten Blumen. Erst in diesem Moment wurde uns wieder bewusst, wie vielseitig man doch Farben einsetzen kann. Dieses, beinahe schon augenirritierende Farbspiel, setzte sich, zumindest beim weiblichen Teil der Besatzung, der uns beim ersten Anblick gleich fest an ihre Brust drückte, fort. Hier trafen genau in diesem Augenblick, zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Ich würde nicht sagen, dass Dirk und ich typisch deutsch (sollte es soetwas überhaupt geben) und unsere neuen Freunde, Norma und Enrique typische Latainamerikaner sind, doch ist es für uns schon etwas ungewohnt gewesen, innerhalb der ersten drei Sekunden Augenkontakt, zu einem Teil der Familie verschmolzen zu werden. Schnell wurde festgelegt, dass die deutschen Freunde im Gästehaus untergebracht werden. Wir hatten gar keine andere Wahl und ergaben uns der überwältigenden Gastfreundschaft. Norma und Enrique betreiben eine Firma, die sich um die Exportgüterabfertigung kümmert und bereits von Normas Eltern gegründet wurde. Außerdem beschäftigen sie auf ihrem Anwesen zwei Wachmänner, drei Mechaniker, die sich um die Auferstehung alter VW kümmern und zwei gute Seelen, die den Haushalt auf Vordermann halten. Enrique, unser Gastvater, besitzt eine bewegte Vergangenheit. Er befand sich, während der siebziger Jahre, im selben „Schützenverein“ wie der jetzige Staatspräsident Ortega. Diese Art von „Schützenverein“ trainierte mit Vorliebe im dichten Grün des Dschungels und trägt einen Namen, der so ähnlich klingt wie die großen, behaarten Menschenaffen, deren Gattung mit einem „G“ beginnt. Wie selbstverständlich wurden wir unterhalten und durchgefüttert, schauten uns einen Vulkan an, unternahmen eine Bootsfahrt auf dem Lago Nicaragua und erlebten die Altstadt Granadas. Selbstständiges Denken und Handeln war hier ersteinmal fehl am Platz. Hätten wir die Beiden nicht hin und wieder in ihrem Tatendrang gebremst, gäbe es keinen Reisebericht Nummer 9.

Nach einer Woche Sightseeing und updaten unserer Internetseite, verabschiedeten wir uns von unseren herzensguten Freunden und fieberten dem nächsten Grenzübertritt entgegen.

Muchas Gracias Norma y Enrique por su hospedalidad y amistad y para monstrarnos Nicaragua!

In Costa Rica fiel uns gleich auf, dass es diesem Land finanziell etwas besser zu gehen scheint. Schon lange nicht mehr hatten wir solch saubere Straßenränder gesehen und die offensichtliche Armut schien sich in Grenzen zu halten. Auch hier erwarteten uns bereits Nahe San Joses, der Hauptstadt des Landes, die Volkswagenverrückten Costa Ricas. Also lasst euch eins gesagt sein, wenn Latinos davon reden „gemütlich zusammenzusitzen und bei etwas Smalltalk ein, zwei Bierchen zu zischen“, artet die Sache meistens in einen, bis tief in die Nacht dauernden, Umtrunk aus. Während wir mit zwei der VW Jungs zum Supermarkt düsten, trommelten die anderen den Rest des Clubs zusammen, schnell war die Bude gerammelt voll. Wir hatten eine Menge Spaß und fühlten uns auch hier wieder wie ein Teil der Familie. Am nächsten Morgen gab es ein gemeinsames Frühstück und ein Abschiedsfoto, vor einer der prächtigen Kathedralen des Ortes. Arnoldo und Fabricio begleiteten uns in ihrem Käfer auf halben Weg in Richtung San Isidro de El General und übergaben uns mitten in den Bergen an Salomon und „Paulchen“, Mitglieder des Volkswagen Clubs Costa Ricas.

Muchas Gracias Arnoldo, Fabricio, Johanns y Kenneth por su hospedalidad y la noche muy divertida! Muchos saludos al Club!

Salomons liebenswerte Eltern luden uns dazu ein in ihrem Haus am Rande der Stadt zu übernachten, das sie sich gerade renovierten; wir gingen gemeinsam essen, saßen im Park und hatten eine Menge Spaß. Am Tag unserer Weitereise ließen wir in einer der örtlichen Werkstätten einen Spurstangenkopf der Lenkung reparieren und genossen nochmals gemeinsam mit unserer Gastfamilie landestypische Küche.

Muchas Gracias Max, Gloria y Gloria, Salomon, Paulchen y Karina por su hospedalidad y el tiempo con ustedes! Alemania es su casa!!

Autos hin oder her, seit wir von einem VW Club zum nächsten weitergereicht werden wie eine Wandertrophäe, lernen wir wunderbare Leute kennen, herzensgute Menschen, für die wir ganz selbstverständlich zur Familie gehören. Die Brezel ist dabei nur erster Kontaktpunkt. Das Herz geht einem auf, wenn man, während einer kräftigen Umarmung, zu hören bekommt ein zu Hause in Mexico, Nicaragua, Costa Rica, ... zu haben. Genau das ist es, wovon wir am Anfang des Berichtes erzählt haben. Hier in den sogenannten „Drittwelt- Ländern“ bekommt man Zwischenmenschlichkeit hautnah zu spüren.

Costa Rica, das achte Land auf unserer Reise, war beinahe durchquert; nun hieß es auf nach Panama. Für uns stellte Panama soetwas wie eine magische Grenze dar. Nach fast einem Jahr auf Achse, den Zeitraum, den wir vor dem Aufbruch in Deutschland, für den kompletten Trip von Alaska nach Patagonien veranschlagt hatten, machten wir nun endlich den Sprung auf den südamerikanischen Kontinent. Ich denke es ist nachvollziehbar, das Dirk und ich nicht mehr so ganz die Reiseruhe besitzen, wie wir es noch in den Vereinigten Staaten taten. Zum Einen sind es die Lieben daheim, auf die man sich sehr freut, geschmiedete Zukunftspläne, deren Umsetzung einem unter den Nägeln brennen und zum Anderen aber auch das immer schmaler werdende Budget. Wir bereuen es häufiger, nicht mehr die Ruhe zu besitzen und uns die Zeit zu nehmen, noch mehr entlegene Winkel dieser bezaubernden Länder zu erkunden, doch manchmal muß man auf Situationen reagieren und versuchen das Beste daraus zu machen. Wenn man vor solch einer Reise steht, hört man des Öfteren: „Ja, so etwas macht man ja nur einmal im Leben.“ Das ist Humbug! Ist man ersteinmal mittendrin und merkt, wie sehr es einen bereichert, dann erkennt man gleichzeitig, dass es nichts und niemanden gibt, der einen davon abhalten könnte, gleich morgen seinen Koffer zu packen und loszuziehen. Wer einmal Blut geleckt hat, ist dem Reiseabenteuer auf Lebenszeit verfallen. Die Welt ist jederzeit eine Reise wert.

Hier in Panama verließ uns das volkswageninterne Familiennetz. In der Hauptstadt des Landes gestrandet, nutzten wir deshalb nochmals die Vorteile des „weltweiten Netzes“. Jorge bot uns per e-mail an, bei ihm und seinem Mitbewohner unterzukommen. Doch da es in der Nacht unserer Ankunft schon etwas später gewesen ist und wir Jorge nicht an die Strippe bekommen konnten, ließen wir uns vom Reiseführer, auf der Suche nach einem Zimmer, in den Stadtteil San Felipe lotsen. Der sympathische Typ hinter dem Tresen des Hostals nannte uns die Preise und zeigte uns unsere Optionen. Daraufhin ließen wir uns das nächstliegende, öffentliche Telefon zeigen und versuchten noch einmal Jorge zu erreichen. Es funktionierte, er gab uns die Telefonnummer seines Mitbewohners Ariel und bat uns ihn zu kontaktieren. Sein Stubenkollege arbeite in einem Hostal im Stadtteil San Felipes. Richtig! Das zweite Telefonat konnten wir uns sparen. Der Typ aus der Jugendherberge, mit dem wir uns bereits unterhalten hatten, ist unser Gastgeber Ariel gewesen. Er drückte uns den Schlüssel und eine Wegbeschreibung in die Hand und hieß uns herzlich Willkommen. Nach dem Einlagern unserer Sachen ins neue Quartier, parkten wir die Brezel aufgrund höherer Sicherheit vorm Hostal und quatschten noch eine Weile mit Ariel, bevor wir uns mit ihm und Jorge in die nächste Kneipe begaben.

Wir hatten noch das ganze Wochenende, bevor wir uns Montagmorgens mit der Dame von der Verschiffungsfirma trafen. Wir verteilten kleine Zettel an die örtlichen Yachtclubs und stellten Anzeigen online, in denen wir nach einem Verschiffungspartner suchten, um die anfallenden Containerkosten zu minimieren. In dem Hostal, in dem unser Gastgeber arbeitete, lernten wir schnell eine Menge netter Leute kennen. Panama, an der schmalsten Stelle gerade mal um die 70 Kilometer breit, ist das Nadelör für Amerikareisende. Hier trifft man früher oder später jeden, der irgendwie, ob mit dem Auto oder der Schubkarre, auf dem Weg in den Süden oder Norden ist. Rein zufällig trafen wir hier Olaf und Samira , die uns damals in Mexiko per Gästebucheintrag nach Verschiffungstips fragten. Gehört haben sie von uns durch die Italiener, denen wir mehrmals in Mexiko begegneten. Ja die Welt der Nomaden ist verdammt klein; Nachrichten verbreiten sich sehr schnell. Wir lernten Brad und Kelly kennen, zwei nette, weltoffene und inspirierende Menschen, die in einem VW Camper unterwegs waren. Brad, ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, lebte für lange Zeit auf der Baja California, südlich von La Paz. Hier führte er ein kleines Hotel und verhalf Oldtimern zu neuem Glanz. Sein großes Hobby, die Musik, führte ihn mit seiner Freundin Kelly zusammen. Sie arbeitet zur Zeit als Managerin eines US- amerikanischen Countrysängers. Als wir die Beiden in Panama kennenlernten, schmiedeten sie gerade Pläne für ihre Zukunft. Um nur zwei der Optionen zu nennen: Die Verwaltung der Insel eines Freundes oder der Kauf eines Mehrfamilienhauses hier in Panama City.

In San Felipe, dem Centro Historico der Hauptstadt Panamas, wurde uns der starke Gegensatz zwischen Reichtum und Armut wieder einmal deutlich vor Augen geführt. Gleich neben dem, vom wohlhabenden Ausländer überrestaurierten Kolonialhaus, liegen in Lumpen gekleidete Menschen vor völlig baufälligen Gebäuden. Grotesker könnte das Bild nicht sein. Disneyland und Existensnot Tür an Tür! San Felipe liegt auf einer Art Halbinsel; viele der, an der Wasserfront liegenden, Häuser, befinden sich bereits in neuem Glanz und den Händen reicher Gringos. Hier begegnet man ihnen, in schweren, verdunkelten und von Reichtum zeugenden Limousinen und SUV´s. Je weiter man sich vom Wasser entfernt, desto armseeliger und ruinenhafter werden die Strassenzüge. Auch die Sicherheit nimmt drastisch ab.

Eines Abends sind wir gemeinsam mit Olaf und Samira zum Chinesen gegangen, die Gegend, in der wir uns aufhielten, gehörte nicht gerade zu den Sichersten. Auf dem Nachhauseweg, kam uns, nur wenige Meter vom Restaurant entfernt, ein Mann entgegen, der sein nicht zu verachtendes Messer zückte und uns mit dem Satz: „Give me all your money!“ (Gebt mir all euer Geld) um unser Bares bat. Wir liefen einfach davon, was ihn dazu verleitete, das Selbe zu tun, jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Der Typ ist eher verzweifelt als professionell gewesen. Er hatte wohl darauf gehofft, dass wir beim Anblick seines Messers, bereitwillig unsere Portemonaies öffnen. Wenige Stunden zuvor hatten wir noch damit geprahlt, nicht ein einziges Mal eine schlechte Erfahrung während unserer Reise gemacht zu haben.

Wie sagt man so schön? In der Pfeife rauchen. Genau das trifft auf die Polizei Panamas zu. So etwas Unfähiges haben wir zuvor noch nie gesehen und auch noch nicht erleben müssen. Es gibt viele Adjektive, die die Polizei des Landes beschreiben würden, doch ein simples „dumm“ trifft den Nagel genau auf den Kopf. Ist man völlig inkompetent, absolut ahnungslos und kann kaum bis zwei zählen, dann brauch man sich über seine Zukunft keine Sorgen zu machen. Die Polizei nimmt einen mit Kusshand, garantiert! Zweimal baten wir die Herren um Hilfe, fragten sie lediglich nach dem Weg, hielten ihnen sogar einen Stadtplan unter die Nase. Sie konnten uns weder sagen wo wir lang müssen, noch konnten sie sich selbst auf der Karte lokalisieren. Ein trauriger Anblick! Wir fragten sie einmal nach dem Weg zum Hostal, sind nur drei Blöcke entfernt gewesen und nannten ihnen sogar den Namen der Kathedrale, die sich direkt gegenüber befindet. Erklären konnten sie es uns schonmal gar nicht, also folgten wir ihnen bis zu einem Gebäude vor dem sie anhielten und uns fragten, ob es dies sei. Es ist weder ein Hostal gewesen, noch war weit und breit eine Kirche zu sehen und der Straßenname, denen wir ihnen sogar genannt hatten, besaß nicht einen gemeinsamen Buchstaben mit der, in der wir uns befanden. An einer der nächsten Kreuzungen erinnerten wir uns glücklicherweise an den Weg; während sie in eine völlig andere Richtung abbogen, winkten wir den Blitzmerkern nochmals zu und gewannen Land. Einfach unglaublich!

Wenn ihr jemals in Panama seid, erlaubt euch mal den Spaß, es ist witzig solange man nicht wirklich auf die Herren angewiesen ist. Man muß es einmal selst erlebt haben, um es zu glauben.

Beim Besuch der Verschiffungsagentur wurden wir hingegen positiv überrascht. Mit dem ersten Satz wurden wir begrüßt, im darauffolgenden hieß es gleich: „Wir haben einen Verschiffungspartner für sie gefunden.“ Jim, ein ehemaliger US- Amerikaner und seine peruanische Frau Gloria saßen bereits am Tisch und wälzten sich durch den Papierkram. Die Beiden sind uns auf Anhieb sympathisch gewesen. Sie befanden sich auf ihrer Heimreise nach Peru, lebten zuvor für über ein Jahr in Honduras und leiteten dort das Restaurant eines Hotels. Jim hatte drei Jahre zuvor schoneinmal mit der selben Verschiffungsagentur von Colon nach Cartagena übergesetzt. Damals mit Hund und VW Bus, diesmal mit seiner Frau, dem Hund und einem Toyota Landcruiser. Seine Erfahrungen und seine Ruhe kamen uns sehr zu Gute.

Warum eigentlich verschiffen? Panama und Kolumbien sind doch über Land miteinander verbunden. Genau diese Frage ging uns auch durch den Kopf, als wir einige Wochen zuvor den Deutschen Willi in Nicaragua kennenlernten und mit ihm vor der großen Karte in Normas Büro standen, in der sich der Panamerican Highway als roter Faden, ohne Unterbrechungen durchs sogenannte Darien- Gap zog. Schaut mal in eine moderne Landkarte, in den meisten von ihnen ist die eingezeichnete Strasse genau hier, zwischen Panama und Kolumbien, unterbrochen. Die meist noch eingetragenen Ortschaften sind nicht mehr miteinander verbunden. Von Panama City aus kann man noch rund 100 Kilometer auf asphaltierter Straße (laut unserer Karte) in Richtung Kolumbien zurücklegen, bevor die Piste, gerade zur Regenzeit, in einen eher fragwürdigen Zustand übergeht und nach zirka 190 Kilometern in einer kleinen Ortschaft namens Yaviza endet.

In Reiseführern liest man oft das Gleiche, manche gehen erst gar nicht darauf ein. Guerillia, Narco- Traffic (das Schmuggeln von Drogen), hin und wieder hört man sogar, dass aus umwelttechnischen Gründen keine Straße gebaut wird um die beiden Länder miteinander zu verbinden. Der hier existierende „Parque Nacional Darien“ sei einzigartig in seiner Unzerstörtheit und Vielfalt an Flora und Fauna. Das mag sogar stimmen, doch seien wir mal ehrlich, ließe sich aus dem Bau der Straße ein höheres Kapital schlagen, als aus dem Verschiffungsverkehr zwischen Panama und Kolumbien, würde doch schon längst eine Autopista existieren und die einmalig erhaltene Flora und Fauna dürfte sich hinten anstellen.

Im Internet kann man Geschichten über Leute lesen, die versucht haben das Gap (die Lücke) zu durchqueren, mit dem Motorrad, zu Fuß und auch mit geländegängigen Allradfahrzeugen. Auch wenn manche Leute bei den Versuchen von der Bildfläche verschwunden sind, ist es dennoch nicht unmöglich. Doch wenn man liest, dass die Besatzung eines Landrovers mehrere Wochen benötgte, um sich nur wenige Meter durch den Dschungel zu schlagen und sich dann doch wieder um 180 Grad drehte um zurück zu fahren, dann gewinnt man ganz schnell Abstand von der Idee, das Darien Gap zur Regenzeit, mit einem 30 PS „starken“, völlig überladenen Käfer zu durchqueren. Wir Beide haben noch genügend Pläne für die Zukunft und dazu gehört mit Sicherheit nicht das wochenlange Schlammschaufeln im Darien- Gap oder die unfreiwilligen Ferien bei Guirillia Truppen im National Park Darien.

Somit stand fest in den sauren Apfel zu beißen und die Verschiffungstortur über uns ergehen zu lassen. Die Inkompetenz der Sesselpupser und das völlig chaotische System der Arbeitsabläufe kostete eine Menge Nerven und Zeit und ist im Endeffekt nur unwesentlich günstiger gewesen als die Käferverschiffung von Bremen nach Seattle, die vier Wochen dauerte und nicht nur zwei Tage.

Nachdem Brezel und Landcruiser im Container in Colon verstaut waren, schauten wir uns zusammen mit Gloria und Jim die „Miraflores“- Schiffsschleusen an. Eine von drei Schiffshebewerken entlang des Panamakanals, durch den es die Brezel bereits vor über einem Jahr geführt hatte. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden Ariel und Jorge, von all den kennengelernten Abenteurern und flogen am nächsten Morgen in einer kleinen Propellermaschine von Panama City ins schwül- warme Cartagena.

Muchas Gracias Ariel y Jorge por su hospedalidad.

Die kolumbianischen Sesselpupser übertrafen die Panamericaner in ihrer Kompliziertheit bei weitem, doch nach zwei aufreibenden Tagen konnten Dirk und Jim die Autos endlich aus dem Hafen befreien und wir unsere Reise in Kolumbien fortsetzen.

Schnell stellten Dirk und ich fest, dass die Entscheidung, Kolumbien nicht zu überspringen, die richtige gewesen ist. Hugo und Mema empfahlen uns damals, diesem wunderschönen und auch sicheren Land einen Besuch abzustatten. Dank unseres Freundes Rodrigo aus Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, sind wir während unseres Aufenthaltes in diesem Land, wieder bestens „Volkswagen- versorgt“ gewesen. Kolumbien brach bisher alle Rekorde, wir lernten ganze fünf Volkswagen- Clubs bzw. Familien kennen und sind bei jeder einzelnen herzlichst in Empfang genommen und versorgt worden. Gleich in Medellin lernten wir eine Menge netter Leute kennen, die von unserer Reise völlig angetan waren. Eine der größten Zeitungen des Landes, die „El Columbiano“ interviewte uns, bevor wir am folgenden Tag den Weg in Richtung Bogotá einschlugen. Der Westen Kolumbiens wird in Nord- Südrichtung von drei großen Gebirgsketten durchzogen, der Cordillera Occidental, Central und Oriental, dabei werden Höhen vom Meeresspiegelniveau bis zu Bergspitzen von um die 5000 Meter überwunden. Unsere Route durchs Land verlief genau zwischen und auf diesen Kordilleren, dementsprechend abenteuerlich und bizarr getaltete sich unsere Reise. Das Verstellen der Zündung und das gelegentliche Abkühlenlassen der Bremstrommeln während langer Bergabfahrten bewirkte hier oftmals Wunder.

Rodrigo, ein Freund des Volkswagen Classic- Parts- Centers in Wolfsburg, unseres Hauptsponsors, lud uns bereits beim Antritt unserer Reise, via Gästebucheintrag ein, den VW- Club Bogotás und sein schönes Land kennenzulernen. Nun, etliche Monate nach unserem ersten Kontakt, standen wir ihm und einem Teil der Club- Mitglieder gegenüber. Genau wie die Menschen Zentralamerikas und Mexicos, sind die Kolumbianer herzlich und gastfreundlich. Sollte man charakterlich nicht völlig zu den Flachpfeifen zählen, wird man auf Anhieb adoptiert. Wir wurden im Gästeappartment der Eltern untergebracht, den unterschiedlichsten Leuten vorgestellt, gaben Interviews und besuchten mehrere VW- Veranstaltungen. Eigentlich planten wir schon in Bogotá, an diesem Reisetagebucheintrag zu arbeiten, doch das straffe Programm unserer Gastgeber ließ dies nicht zu. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Tage unseres Aufenthaltes durchgeplant. Die Freundlichkeit der Menschen ist überwältigend gewesen. Wie selbstverständlich wurden wir heute hier und morgen dort zum Essen eingeladen, reichlich beschenkt und vor unserer Abreise sogar gebeten T-shirts, Baseballkappen und Käfermodelle zu signieren. Selbst die Rückleuchte des Brezelkäfers unseres liebgewonnen Freundes Ricardo trägt nun die Widmung zweier Deutscher. Unter anderem gaben sie uns eine DVD mit auf die Reise, mit Szenen unserer Zeit in Bogota. Auf dem Cover ist folgendes zu lesen: Columbia es su casa. (Kolumbien ist euer zu Hause). Wenn man so etwas hört und dabei herzlichst mit feuchten Augen umarmt wird, dann weiß man was es heißt, Freunde fürs Leben gewonnen zu haben.

Muchas Gracias a Rodrigo y al Volkswagen Club de Colombia! El tiempo con ustedes estaba maravilloso!

Rodrigo begleitete uns noch bis zu einem kleinen Ort namens Flandes. Dort genossen wir noch einmal einen entspannten Abend mit unserem Freund und kamen anschließend im Ferienhaus seiner Tante zur Ruhe. Am folgenden Morgen machte sich Rodrigo auf den Weg zurück nach Bogotá, während wir die grüne Allmächtige Richtung Armenia steuerten. In dieser Stadt erwartete uns bereits Kike, seine Familie und der Rest des Vereins „VW del Cafe“. Kike, der uns gleich bei unserer ersten Begegnung fest an seine Brust drückte, ist eine Ulknudel, ein Klasse- Typ, mit dem wir ständig etwas zu lachen hatten. Er brachte uns den Spruch „Volkswagen no es una marca, es una familia“ ( Volkswagen ist keine Marke, sondern eine Familie ) sehr nahe, hautnah! In seinem Haus warteten bereits seine Frau Mony, Natan und Joel, seine achtjährigen Zwillinge und der Schnauzerrüde Thomas um uns herzlichst Willkommen zu heißen und in ihre Familie einzugliedern. Wir genossen jede einzelne Minute, besuchten mit Mony und Kike umliegende Bergdörfer, lernten während eines Grillabends den restlichen Teil der VW Familie kennen und hatten riesigen Spaß beim Rumalbern mit den Kindern. Kike erzählte uns eine Geschichte, die uns gewaltig beeindruckte. Der Gute ist angestellter Handelsvertreter gewesen, hat wie jeder andere Mensch um die 40 Stunden pro Woche gearbeitet. Vor drei Jahren schüttelte er seinem Chef zum letzten Mal die Hand und verabschiedete sich. Er ist es leid gewesen sich ständig herumkommandieren zu lassen. Seit diesem Tag sind Mony und er selbstständig, arbeiten nur Samstags und Sonntags, sprich 8 Tage im Monat und leben ein glückliches und zufriedenes Leben. Sie haben wie zuvor ein nettes Häuschen, ein Auto und zwei zur Schule gehende Kinder. Ihr Geld verdienen sie nun schon seit drei Jahren mit dem Verkauf von selbstgemachten Nachspeisen. Kleine Leckereien, wie Kuchen und Törtchen. Es ist simpler als man denkt. Wie der Limonadenstand an der Straße, mit dem sich der ein oder andere von Euch damals als Kind ein paar Groschen verdient hat. Solltet Ihr mal an einem Samstag oder Sonntag durch Armenia in Kolumbien fahren, haltet mal Ausschau nach einem gelben Sonnenschirm mit einem Tisch, nicht viel größer als ein aufgeklapptes DIN- A 4 Heft. Genießt ein oder zwei dieser leckeren Köstlichkeiten und bestellt den Vieren einen ganz lieben Gruss von den beiden Deutschen, die sie sehr vermissen. Es fiel uns so schwer wie schon lange nicht mehr die Türen hinter uns zu schliessen und Kike, Mony, Joel und Natan langsam im Heckfenster verschwinden zu sehen. Wir freuen uns schon jetzt darauf ihnen irgendwann mal wieder gegenüberzustehen.

Muchas Gracias a Kike y Mony y al VW Club del Café! El tiempo con ustedes estaba muy chistos! Postrewagen por siempre!!! Un abrazo por los gemelos!! Ustedes estan parte de nuestra familia.

Mit gemischten Gefühlen fuhren wir weiter in Richtung Süden. In der Stadt Cali, na, Ihr könnt es euch bestimmt schon denken, warteten bereits die nächsten Autonarren auf uns. Wir lernten Luis und seine Familie kennen, beantworteten Fragen der neugierigen VW Cali Mitglieder und wurden von Luis Eltern Carlos und Maria dazu eingeladen in ihrem Gästezimmer zu übernachten. Nach einer erholsamen Nacht setzten wir uns mit Carlos in die Brezel und fuhren in die Berge, um seine Schwester und seinen Bruder zu besuchen. Die Hofzufahrt zum Haus seiner Schwester ist eine gewaltige Herausforderung für unser Reisegefährt gewesen. Auf halber Strecke gönnten wir ihr eine Pause und legten die restlichen Meter mit dem Allradfahrzeug der Schwester zurück. Zum Einen scheiterte es am fehlenden Grip, zum Anderen an der fehlenden Power. Noch nie hatten wir solch eine steile Piste gesehen, geschweige denn, bewältigen müssen. Carlos Schwester lebt über den Wolken, ohne Strom und fließend Wasser. Nach einer Tasse Tee unterhielten wir uns noch etwas mit seinem Bruder und seiner Frau, einige Höhenmeter tiefer, dort wo die Luft schon wieder etwas dicker wurde und fuhren anschließend nach Hause. Dort warteten bereits Luis und Jaime mit ihren Familien, um mit uns zum Lago Calima zu fahren. Das erste Mal, nach langer, langer Zeit, kam unser Zelt nochmals zum Einsatz, wir besuchten den, am See gelegenen, Ort Darien, beobachteten mit Freude, den im Zentrum des Ortes, stattfindenden Musikkapellen- Wettbewerb und fuhren am nächsten Tag, bei schönstem Sonnenschein, zurück in die Stadt.

Muchas Gracias a Luis-Fernando, Maria, Carlos, Maria y al VW Club de Cali! Disfrutamos mucho el camping al Lago Calima.

Nach insgesamt drei Nächten in und um Cali fuhren wir nach Popayan. Hier gab es nichts was uns reizte. Wir beschlossen die Hauptstrasse, den Panamerican Highway zu verlassen und über eine kleine, unasphaltierte Nebenstrecke zu dem Ort namens San Augustin zu fahren. Die Strecke von ungefähr 85 Kilometern verteilten wir auf zwei Tage. Unsere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug hier gerade mal 16 Stundenkilometer. Die Strecke selbst schlängelt sich bergauf und bergab durch eine bizarre, unberührte Naturlandschaft. In San Augustin verblieben wir zwei Nächte, besuchten den archäologischen Park und lernten durch Zufall die Deutsch- Französin Karyn kennen. Weiter ging es in Richtung Osten. In dem Ort namens Pitalito fuhren wir in den Süd- Westen. Die Piste Mocoa- Pasto ist das reinste Abenteuer, besonders der Abschnitt Mocoa- Sebundoy geht einem unter die Haut. Kleine, oft einspurige, in die Felswand gesprengte Schotter- und Schlammpisten mit ungesicherten Abrisskanten, die senkrecht, hunderte von Metern ins bodenlose zu fallen scheinen, Flußdurchfahrten und tonnenschwerer Gegenverkehr. Anspannung garantiert; besonders bei Sichtweiten unter 10 Metern aufgrund dicker Nebelsuppe.

In El Encano am Lago La Cocha, inmitten wunderschöner Landschaft gelegen, empfing uns der VW- Club Pasto, gemeinsam fuhren wir die letzten Kilometer bis in ihre Heimatstadt Pasto. Wir lernten zufällig Gudrun und Volkmar kennen, zwei liebenswürdige, deutsche Wiederholungstäter, die mit ihrem T3 Camper immer wieder und seit vielen Jahren fremde Länder bereisen. Sie gaben uns eine Menge detailierter, interessanter Tips und erzählten uns viele spannende Geschichten. Wir hätten noch gerne mehr Zeit mit ihnen und unseren Freunden aus Pasto verbracht, doch bereits am folgenden Morgen hieß es Abschied nehmen. DANK Gudrun und Volkmar, euch weiterhin alles erdenklich Gute und viele weitere Abenteuer. Wir hoffen sehr euch nochmals, irgendwo auf diesem Planeten, über den Weg zu laufen.

Der nächste Grenzübertritt stand vor der Tür. Nach über drei Wochen hieß es „Ade Kolumbien“. Nun sollte es Ecuador sein, Land Nummer 12 auf unserer Kaffeefahrt. Der Grenzübertritt verlief erfreulich entspannt und relativ schnell. Auf dem Weg in Richtung Quito, der Hauptstadt des Landes, passierten wir, ohne wirklich Notiz zu nehmen, den eher unspektakulär präsentierten Equator. Wir machten ein paar Fotos und achteten bei der nächsten Toilettenspülung auf die Drehrichtung des Wassers. Ob mit oder gegen den Uhrzeigersinn, eins steht auf jedenfall fest: Ab jetzt geht´s bergab!

Seit einigen Tagen leben wir nun hier mit Juan und seinen Eltern Gina und Amilcar in einem südlich gelegenen Vorort Quitos, genießen die Sonne, die Gastfreundschaft, geben Interviews fürs Fernsehen und die Presse und arbeiten ganz nebenbei fast 24 Stunden täglich an dem 10. Reisebericht. Wir brauchen wohl nicht zu erwähnen, dass unsere Gastfamilie hier in San Rafael Volkswagen fährt, oder? Ich glaube, zurück in Deutschland gibts erstmal nen schönen Opel oder Ford.

Da gibts noch eine Sache die demnächst ansteht; zum Einen verweilen wir hier der Arbeit wegen, zum Anderen warten wir auf einen Freund. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr später.

Viel Spass bei der Grillsaison!

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