Der Start ist das Ziel.

28.05. - 14.06.2008

Völlig überladen doch guter Dinge setzten wir uns an einen sonnigen Samstag Nachmittag ( 14. Juni 2008) in Bewegung um unserem über 4500 Kilometer entfernten Startpunkt unserer Reise, Prudhoe Bay in Alaska, etwas näher zu kommen. Die erste Nacht in unserer neuen Behausung namens Vaude Mark III nach über drei Wochen puren Luxus verbrachten wir auf einem Campingplatz in Vancouver. Die Stadt erschien uns im Vergleich zu Seattle wesentlich aufregender und lebendiger, dabei sind wir nur durch downtown gefahren, haben nicht einmal das Nachtleben erforscht.

Elf Tage sollte es dauern bis wir unseren nächsten längeren Zwischenstop in Fairbanks einlegten. Um es gleich vorweg zu nehmen, jeder der solch eine Reise plant um Land und vor allem Leute kennen zu lernen, sollte das Wort Plan aus seinem Wortschatz streichen oder sich zumindest von der Illusion verabschieden, etwas wie einen Plan einhalten zu können. Früher oder später wird er sowieso über Bord geworfen. Einen Startpunkt, ‘ne Menge Zeit und ein sonniges Gemüt, mehr braucht man nicht.

Benebelt von all den neuen Eindrücken steuerten wir die schwangere Brezel immer weiter, auf einer Strasse mit dem sehr zutreffenden Namen Sea to Sky Highway, in Richtung Norden. Der Name ist Programm; bergauf brauchten wir gar nicht erst an den 3. oder 4. Gang zu denken. Die eher gemütliche Durchschnittsreisegeschwindigkeit von ca. 30- 40 Kilometern in der Stunde hatte den großen Vorteil, das wir beide genügend Zeit hatten diesen grandiosen Mix aus schroffen Bergketten, glasklaren Seen und sich einer durch die Landschaft schlängelnden Piste in aller Ruhe zu genießen. Zwei Dinge wurden uns deutlich bewusst, erstens, wir waren nun endlich “on the road” und zweitens, die Erbse ist völlig überladen. Wir mussten unbedingt Ballast abwerfen um an Höhe zu gewinnen. Verschiedenste Ideen kamen uns in den Sinn, von verbuddeln bis Straßenflohmarkt. Das erste Stück von dem wir uns trennten ist einer der Hämmer gewesen, der nun in einem Bodyshop (nein hier werden keine Cremes verkauft um Falten zu beseitigen, hier benutzt man Hämmer um Metall zu richten) im Umland Pembertons/ Kanada ein neues zu Hause gefunden hat. Oly, der glückliche Auserwählte, ist sichtlich erfreut gewesen. Juhu und wir erst, die ersten 700 Gramm Gewichtsreduzierung! Um den Vorgang etwas zu beschleunigen beschlossen wir, all die vorerst unwichtigen Dinge in einen Koffer zu packen und irgendwo einzulagern.

In Telkwa, nach gut 1200 erfolgreich zurückgelegten Kilometern, trafen wir auf Hanna und Kurt Frenzel, ein sehr liebenswürdiges und interessantes Pärchen aus Deutschland, die mit ihren Fahrrädern unterwegs gewesen sind. Sehr beeindruckt lauschten wir bei einem köstlichen Eis ihren echt abenteuerlichen Geschichten. Die Beiden sind bereits vor 30 Jahren dem Radsport verfallen und haben seitdem tausende von Kilometern im Sattel gesessen und dabei verschiedenste Länder bereist. Hanna und Kurt, Euch alles Gute und einen herzlichen Dank für’s leckere Eis!

Weiter auf dem Yellowhead Highway durch Ortschaften wie Williams Lake, Quesnel und Vanderhoof erreichten wir Smithers. Die netten Damen im Tourist Information Center des kleinen Ortes konnten wir mit etwas Charme davon überzeugen, den Koffer innerhalb der nächsten Wochen wieder einzusammeln. Uns fiel ein großer Stein und ca. 30 kg vom Herzen und der Brezel kam dies spürbar zu Gute.

Unterwegs auf dem Stewart- Cassiar Hwy entschlossen wir uns dazu, schon mal einen Fuß auf alaskanischen Boden zu setzen. Eine kleine Strasse entlang des Meziadin Lake führt über 62 Kilometer zu den beiden Ortschaften Stewart und Hyder. Stewart liegt auf kanadischer, Hyder auf alaskanischer Seite, beide Gemeinden sind keine zwei Kilometer voneinander entfernt und um in Stewart’s General Store einen Liter Milch zu kaufen, muss man aus Hyder kommend tatsächlich einen kanadischen Grenzposten passieren, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt. Schön wenn man dann fünf Minuten später feststellt, daß man die Eier vergessen hat und klar doch, in den paar Minuten ist man auf der Jagd gewesen, hat sich eine Pistole aus den Rippen geschnitzt und einen Lehrgang im Umgang mit radioaktiven Waffen abgeschlossen.

Unser Zelt bauten wir diesmal auf dem “Campingplatz” des Sealaska Inn in Hyder auf. Der Platz bestand mehr oder weniger nur aus einem Stück Wiese, die Kneipe inklusive Motel stellt Ihr Euch am besten so vor, wie man es aus Wildwest- Streifen kennt. Die Strassen (es sind eigentlich nur zwei) sind nicht asphaltiert; man bahnt sich also seinen Weg über eine staubig, steinige Piste, vorbei an einen Haufen, in Fluchtrichtung geparkter und auf hochglanzpolierter Harley’s, die einen wunderschönen Kontrast zu den völlig verrosteten und verwarzten Pickup Trucks bieten, um über eine breite, hölzerne Veranda die Kneipe zu entern. (der alte und schweigende, mit sonnengegerbtem Gesicht im Schaukelstuhl sitzende Mann war leider nicht mehr aufzufinden)

Genauso machten auch wir es, nachdem unser Zelt stand, wir aufgegeben hatten unsere Moskitostiche zu zählen und zum Kochen viel zu müde waren. Leider hatte die Küche der Kneipe bereits geschlossen, doch einige Minuten später machten wir uns über die Pizzareste unserer neu gewonnenen Harley- Freunde her, die uns zu Bier und Whisky-Coke einluden. Ich wusste es doch schon immer, auch solch schwere, bikefahrende Typen besitzen unter ihrer rauen Schale einen ganz weichen Kern und tauschen heimlich Pokemon- und Jubio-Karten aus.

Ray, Warren und Richard, drei freundliche Gesellen aus Houston/ British Columbia, die sich, nur um ein paar Spirituosen zu sich zu nehmen, auf ihre Harley’s schwingen und insgesamt 800 Kilometer durchs Land cruisen. Irre, aber konsequent! Dirk und ich wurden an diesem Abend “HYDERRIZED”, das heißt wir exten einen scheußlich schmeckenden Kurzen, mit dem auch ohne Probleme eine Rakete abheben könnte und bekamen für die erbrachte Leistung sogar eine Art Urkunde und ein lautes Gegröle unserer Freunde. Auf dem Zimmer der Jungs gab es Tequila, Bier und ‘ne Menge zu lachen bis Mike, eine Spaßbremse aus dem Ort meinte, sein Bier mit Absicht über Ray’s Motorrad verteilen zu müssen. Ohaa, Harley- Fahrer und ihre Bikes, das ist wohl eine Beziehung wie zwischen Bärenmuttis und ihren Kleinen. Kommt man dazwischen wird es sehr gefährlich. Anstatt sich zu entschuldigen oder wenigstens den Rückzug anzutreten, provozierte Mike die Jungs. Er schien nicht nur die Spaßbremse des Ortes sondern auch der Dorftrottel Hyders zu sein. Der böse Alkohol! Als es anfing interessant zu werden und die Party ganz plötzlich auf die Strasse verlegt wurde, zogen Dirk und ich uns in unser Zelt zurück, während die Jungs mitten in der Nacht lautstark “diskutierten” und das nicht nur verbal. Irgendwann gegen drei Uhr Morgens fielen wir beide in den Schlaf der Gerechten. Hey Ray, Warren and Richard, we hope, you guys always have a good ride!

Der nächste sonnige Morgen brachte die ganze Schönheit der Landschaft, die den kleinen Ort umgab, ans Tageslicht. Wir saßen unten im Warmen, während oben die schneebedeckten Bergkuppen um die Wette funkelten. Tom und sein Hund, die den grünen Käfer vom Straßenrand aus gesehen hatten, kamen auf uns zu. Noch bevor er uns begrüßte , sagte er folgenden Satz: “Don’t tell me it has still the original engine and you did it all the way up here in that thing!?” ( Erzählt mir nicht, es hat noch den originalen Motor und ihr seid den ganzen Weg in dem Ding hierher gefahren!?) Auch wenn es nicht mehr der Originalmotor mit 24,5 PS, sondern ein um 5,5 PS stärkeres Triebwerk ist, Tom war sichtlich begeistert, schwelgte in Erinnerungen und ließ uns an seinen Geschichten über Roadtrips im Käfer teilhaben, die er in unserem Alter unternahm. Nebenbei erzählte uns Tom noch die Geschichte von einem jungen Mann, der vor acht Jahren besoffen aus der Kneipe torkelte, um dann auf der Wiese ein Nickerchen zu halten, nur leider tat er dies genau dort wo im Frühling zur Lachssaison die Grizzlybären aus den Bergen kommend zum Wasser wandern. Für einen der beiden endete die Geschichte nicht so gut, der andere wurde später erschossen. Schwarzbären hatten wir ja bisher schon einige gesehen, doch einen Grizzly… . Für uns in Deutschland eher unvorstellbar, ist es hier normal sich den Lebensraum mit Bären, Wölfen und gemeingefährlichen, oftmals Schafe reißenden Hummingbirds ( Kolibris) zu teilen; doch hier hat man noch genügend Platz und geht sich sowieso lieber aus dem Weg. Es gibt sie noch, richtige kernige Typen, Individualisten, die ihren Weg gehen und so leben, wie andere es in irgendwelchen Abenteuerromanen lesen. Wir denken Tom gehört ganz bestimmt zu dieser Art von Menschen. Den Reißzahn eines Grizzlys den er um seinen Hals trug und uns die ganze Zeit auf seine Brust starren ließ, genau der hängt nun am Innenspiegel der Brezel und wird uns immer an Alaska- Tom erinnern. Stay like you are Tom!

An diesem Tag fuhren wir hinauf zum Salmongletscher, klappten zum ersten Mal die Landkarte komplett aus, um uns dann über die enorme, uns noch verbleibende Strecke bis Prudhoe Bay zu wundern und lernten einen lustigen Haufen Menschen am Pier Hyders kennen. Sie saßen da, beim Boot, tranken ein Bier, erzählten Geschichten und konnten sich nicht entscheiden wer von ihnen das Bier, das sie mit dem Boot angeliefert hatten , zum örtlichen Pub fährt. Hier schien die Minute noch 120 Sekunden zu haben. Hektik, Stress; Fehlanzeige. Auf dem Rückweg zum Stewart- Cassiar Highway ( Hyder liegt am Ende einer Sackgasse) stießen wir in Stewart auf Tireman Bill, ein Mann weniger Worte aber umso mehr Taten, dem eine der beiden örtlichen Tankstellen gehört. Dieser eher ruhige Geselle versteht es im Vergleich zu anderen Leuten, eine Gelegenheit zu erkennen und sie mit seinen Mitteln zu nutzen . Unser Vorhaben schien ihm zu gefallen, auf unsere Frage hin ob er einen Aufkleber seines Ladens hat, den wir an unserem Auto anbringen könnten, verneinte er dies mit Bedauern, erschien jedoch einige Minuten später mit einem Merchandising-Paket, zwei Werbekalender seines Shops, eine Flagge Kanadas mit seinen Kontaktdaten und einen echt coolen Bumpersticker. Wir füllten den Tank der Brezel, reinigten ihre Lunge (Ölbadluftfilter) und setzten uns in Bewegung. Hey Bill, we love the sticker!

Wenn man unterwegs und nicht auf der Flucht ist, sich hin und wieder daran erinnert Beine zu besitzen und mit Menschen in Kontakt tritt, so erlebt man die unterschiedlichsten Dinge. Die folgenden drei Begegnungen ergaben sich innerhalb kürzester Zeit und hingen alle miteinander zusammen .

Highway 37 in Richtung Norden, Yukon-Territory, wir stoppten an einer Tanke die nicht in unserer Karte verzeichnet war. Ja, hier hat man extra Karten die einen vom Liegenbleiben oder Verhungern bewahren sollen. Nein, ganz so schlimm ist es nicht, doch das Tankstellennetz hier oben ist nicht so ausgeprägt wie zum Beispiel im Ruhrpott. Die Leute sind äußerst freundlich und hilfsbereit, bleibt man liegen, wird einem schnell geholfen. Aber zurück zur Tanke; da wir beide immer noch etwas der deutschen Ungeduld in uns tragen, (es wird täglich weniger) waren wir kurz davor die besagte Tankstelle zu verlassen, um zur nächsten nur 15 Kilometer entfernten durchzustarten. Wir konnten den Tankwart sehen, doch er schenkte uns keinerlei Beachtung. 5 Sekunden bevor Dirk den Anlasserknopf drückte kam er auf uns zu und überzeugte uns mit seinem günstigeren Spritpreis zum Bleiben. Während er den Tank füllte und Dirk die beiden Zapfsäulen beschriftete um spätere Verwechselungen zwischen Gas und Diesel auszuschließen, meinte ich scherzhaft das er ja vielleicht Arbeit finden könne, wo er schon mal so fleißig dabei sei. Zehn Minuten später halfen wir John, sein Restaurant aufzuräumen, am folgenden Tag sollte der Boden verlegt werden. John ist sehr in seine Arbeit vertieft und daher nicht sonderlich gesprächig gewesen, doch nach zwei Stunden war das Restaurant sauber und er sagte: “Do you want to drive speedboat?” ( Möchtet ihr Speedboot fahren?) Nach einem breiten Grinsen und heftigem Kopfnicken unsererseits meinte er: “Ok, let’s go. Follow me!” ( Ok, lasst uns los, folgt mir!). Mit der Brezel fuhren wir ihm hinterher, über seinen Campingplatz bis hinunter an einen See. John drückte uns einen Schlüssel in die Hand, gab kurze Instruktionen und wünschte uns viel Spaß. Dirk und ich grinsten uns beide an, da wir doch dachten John würde eine, eventuell auch zwei Runden mit uns drehen, schmissen den Hobel an und hatten ‘ne Menge Spaß und das nicht zu knapp. “Thunder in paradise” ist ‘ne Lachnummer dagegen. Wir scheuchten die Flunder über den See und fühlten uns wie “Miami Vice” Zuerst fängt es nur leicht an zu schmerzen, so um die Schläfen herum, dann wird’s auch schon gefährlich, wartet man zu lange, hat man einige Arbeit das breite Grinsen wieder loszuwerden, doch “no risk, no fun”. Es war ein reines um die Wette Grinsen. Anschließend saßen wir zusammen mit John am Tisch einer der kleinen Camping cabins und aßen zu Abend. John ist ein Mensch mit enormen Tatendrang, er braucht ständig neue Projekte; nimmt er sich einer Sache an, steckt er voll und ganz drin und lässt nicht locker. So wie z. B. dieser Campingplatz, erst vor einigen Monaten gekauft, wird er ihn auf Vordermann bringen bis er zufrieden ist und er sich einem neuen Projekt widmen kann und das mit Leib und Seele. Eigentlich ist der Mann Ing. für Minenbauwesen und war bereits in der ganzen Welt zu Hause. Wieder ein deutliches Beispiel für die extreme Flexibilität der Menschen hier mit denen wir hier in Kontakt kommen. Immer wieder warf er neue Ländernamen in seine Geschichte ein, wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Die Nacht verbrachten Dirk und ich in einer der gemütlichen, mit einem Holzofen ausgestatteten Hütten, in richtigen Betten, welch ein Luxus. Es wurde noch bequemer, als es anfing zu regnen. In dem Moment gingen uns folgende Worte durch den Kopf: Nur fünf Sekunden, was kommt als nächstes, ein Flug zum Mond? John, we hope that you always have new and interesting projects to work on.

Nach einer wunderbaren Nacht frühstückten wir und verabschiedeten uns von John, der uns noch den Tipp gab beim “Red Goat Inn” zu stoppen um dort nach einer Internetverbindung zu fragen. Somit verließen wir Tatooga und machten uns auf die Socken, um mit unseren Lieben in der Heimat Kontakt aufzunehmen. Es sind nur wenige Kilometer gewesen bis wir den Wagen erneut parkten und Don uns freundlich in’s “Red Goat Inn” bat. Er versorgte uns mit Kaffee und Tee und fragte ob wir hungrig seien. Natürlich kannte er auch John, hier wo die Nachbarschaft eher dünn gesät ist, kennt jeder jeden. Wir unterhielten uns ganz nett und erfuhren, daß er nur für seine Freunde, denen der Platz gehört, die Stellung hält. Im Hintergrund lief während dessen die Europameisterschaft, die uns jedoch ziemlich kalt ließ. Ich weiß nicht mehr wie viele Stunden vergangen, bis wir die Tür hinter uns schlossen und Don uns seinen Monstertrailer zeigte. Nicht vergessen, wir befinden uns hier immer noch in einem Land der Superlative. Alleine die Zugmaschine, zu behaupten es wäre ein Jeep oder ein Geländewagen ist schlichtweg untertrieben. Ein Truck mit dem freundlichen Namen “Dodge Ram XXL” der dezent, mit riesigen, glänzenden Ziffern auf seinen immensen Hubraum verweißt, zwillingsbereifter Hinterachse, wobei die Höhe der Räder der Flankenhöhe der Erbse entspricht und einer Ladefläche auf der man bequem den Käfer parken könnte. Stattdessen ist genau auf dieser, eine Sattelplatte montiert, um den viermal so großen Trailer, also das ausgewachsene Einfamilienhaus, hinter sich herzuziehen. Was ich ganz vergessen habe, Vati möchte ja nun nicht, neben seiner fünfköpfigen Familie, die im Truck reichlich Platz findet, auf sein Motorrad verzichten müssen. Nein das kommt nicht in die, im Trailer integrierte, Garage, sondern wird einfach an die mannshohe Schnauze der Sattelzugmaschine geschnallt. Das sind jetzt nur einige Details, die uns bei äußerer Betrachtung ins Auge stachen. Um all die Dinge aufzuzählen die uns bei betreten des Palastes förmlich erschlugen reicht mein Langzeitgedächtnis nicht aus. Nur soviel: eine Musikanlage wie in einer Diskothek, Fernseher wie Kinoleinwände, eine Küche wie die eines fünf Sterne Restaurants, … und das Beste kommt zum Schluss: Don Hutchinson betreibt ein interessantes und pfiffiges Buisiness. Wer etwas Kleingeld und die Lust besitzt, kann das Gespann inklusive Chauffeur, Koch und Guide namens Don mieten. Vergleichbar mit einer Kreuzfahrt auf dem Lande, doch mit dem Vorteil, sich seine Route selbst aussuchen zu können. Man ruft ihn einfach an, vereinbart einen Termin, er holt euch vom Flughafen ab und das Abenteuer beginnt. Nichts ist unmöglich! Don, we hope you have a successful buisiness.

Von Don erfuhren wir auch von einem Musikfestival ganz in der Nähe, mit freiem Essen, freier Musik und der Möglichkeit zu campen. Kommen wir also zum letzten der drei Ereignisse, die alle miteinander zusammenhingen und um nochmals darauf hinzuweisen, es waren nur 5 Sekunden! Wir passierten den Stikine River und bogen anschließend links ab, auf eine schlammig steinige Piste entlang des Flusses, bis wir an einem offenen Gatter mit dem freundlichen Hinweis “Come in, we are here.” (Kommt herein, wir sind da.) kurzzeitig zum Stehen kamen. Wir taten das, wozu wir so nett gebeten wurden und folgten dem Weg bis sich die Bäume lichteten und wir mitten auf einer Art Farm in einem kleinen Tal standen. Eine Menge Autos, Zelte und Wohnmobile und George, ein älterer Herr, der uns auf den Schlag adoptierte und sich zu unserem persönlichen Guide ernannte. Nachdem wir innerhalb von 85 Sekunden 11 Mal das Wort “Lord” und 7 Mal “Jesus Christus” vernahmen, wussten wir wo der Hase lang läuft, wir befanden uns auf einem “Gospelfestival“ und standen kurz vor unserer Christianisierung. Ich weiß nicht mehr, wie lange uns George begleitete, doch er schien uns nicht mehr laufen lassen zu wollen. Er ist echt ein netter Mensch, sowie auch all die Anderen, die wir in dem Christencamp kennen lernten, doch es war sehr schwer mit den Leuten ein Gespräch zu führen ohne das sie nach kürzester Zeit beim „Heiligen Vater“ landeten. Es ist ein bisschen anstrengend gewesen, doch risikofreudig wie wir beide sind, beschlossen wir das Zelt aufzubauen. Was uns nicht umbringt macht uns nur noch härter, dachten wir. Es gab reichlich zu essen (unter anderem aßen wir Cariboo (ähnlich wie Elch) und frischen Lachs, selbstverständlich alles selbst erlegt und gefangen und nicht aus der Tiefkühltheke des Supermarktes), jede Menge Musik, einen etwas anderen Gottesdienst und viele interessante Gespräche, doch den größten Spaß hatten wir mit Dakota und seinem Bruder Brandon, zwei aufgeweckte Kerlchen mit denen wir bis spät in die Nacht herumalberten und ‘ne Menge zu lachen hatten. Einer der Teilnehmer ist uns noch gut in Erinnerung geblieben, Richard aus Tirol, der seit weit über 30 Jahren in Kanada lebt. Ihm wurde die Aufgabe zugetragen uns zu fragen, was alle anderen interessierte. Er kam auf uns zu und fragte: „Seid ihr Christen?“ Wir erklärten ihm unseren Standpunkt doch es schien als versuche er uns zu bekehren. Am nächsten Tag entschuldigte er sich für sein forsches Vorgehen. No problem Richard, we are quite openminded. Wir Beide möchten uns nochmals für die nette Geste und die netten Wünsche der Menschen bedanken, die uns verabschiedet und für uns gebetet haben. So etwas Ergreifendes erleben wir nicht jeden Tag.

Wohlgenährt und mit einer Menge Gesprächsstoff setzten wir unsere Reise in Richtung Norden fort. Wir passierten den Grenzübergang“ von British Columbia zum Yukon Territory, füllten den Tank, tauschten die Sitzplätze und starteten durch, doch die Brezel wollte nicht so richtig, ihre Leistung war deutlich spürbar reduziert und wir stellten fest, daß der Verbrauch kontinuierlich anstieg; als wir die 20Liter auf 100 Kilometer Marke erreichten, stand fest das es nichts mit dem Fahrerwechsel zu tun hatte. Selbst ich, der normalerweise nicht im Sattel einer 52’er Brezel sitzt, konnte nicht solch ein schlechtes Fahrverhalten an den Tag gelegt haben. Wir spielten alle möglichen Ursachen durch, stoppten erst einmal am nächsten Roadhouse um zu frühstücken und uns zu beraten. Es war keine eindeutige Fehlerquelle festzustellen, kein Qualm, kein Leck, keine ungewohnten Geräusche. Phillip, der Betreiber der Tankstelle war so freundlich uns seine Werkstatt zur Verfügung zu stellen, da es draußen mal wieder Hunde regnete. Wir überprüften alles uns Mögliche und setzten unsere Reise mit leicht mulmigen Gefühl fort. Mit jedem Nachtanken sank der Verbrauch wieder auf die üblichen 7- 8 Liter/ 100 km. Richtig! Der Sprit, den wir an der Grenze getankt hatten muss wohl zu 70 % aus Harnstoff bestanden haben. Wir hörten von mehreren Einheimischen das es öfter vorkommt gepanschten Sprit angedreht zu bekommen. Nur am Rande: Wir befanden uns in einem Land mit einer Fläche von rund 9,9 Millionen km2 bei einer Einwohnerzahl von nur 33 Millionen und das sind erst die Daten von Kanada, schaut man sich Alaska mit einer Population von ganzen 0,42 Seelen pro Quadratkilometern an, das ist nicht einmal ein halber Mensch, dann wird schnell klar, auf die Füße treten tut man sich hier nicht.

Unser nächstes Etappenziel hieß Fairbanks, mit voller Leistung ging es weiter in Richtung kanadisch- alaskanischer- Grenze. Wir verbrachten unsere erste Nacht im Motel „Zur grünen Erbse“, es war eine verdammt schlechte. (eigentlich schläft man sehr bequem in dem kleinen Ding, doch wir waren in dieser Nacht viel zu faul gewesen die nötigen Umbaumaßnahmen vorzunehmen) Hier oben ist die Sonne einfach nicht mehr unterzubekommen, es ist hell, ob Tag oder Nacht; nur der Blick auf die Uhr verrät einem ob es Zeit fürs´ Frühstück oder das Abendessen ist. Das hat zur Folge, das man wesentlich später müde wird, dafür aber morgens nicht aus den Federn kommt. Zwei Uhr nachts in die Falle und 10 Uhr wieder raus ist bei uns die Regel.

Das hatte dann auch die Folge, das wir eines Tages bis weit in die Nacht hinein fuhren, bis wir doch leicht erschlagen an einem Campground stoppten, obwohl er ganz offensichtlich geschlossen gewesen ist, umfuhren wir die Barrikaden, da einige Wohnmobile und Menschen, die sich um ein Lagerfeuer versammelt hatten, zu erkennen waren. Dirk fragte den Besitzer ob es möglich sei die Nacht über zu bleiben, auf ein knappes aber deutliches „Nein“ hin, formulierte Dirk die Frage um: „Können wir Morgen abreisen?“ Bob hatte anscheinend Sinn für Humor. Wir bauten unser Zelt auf und kochten unser Abendessen im Trailer eines netten, holländischen Paares, die von der Erbse und unserer Reise sehr angetan waren. Im Trailer reichte Joop erst einmal ‘ne Runde Whisky und während wir aßen, erzählten uns Lisa und Joop von ihren Reisen. Einen schönen Gruß nach Holland, an Lisa und Joop.

Wie es das Schicksal oder auch der Zufall so will, stießen wir am nächsten Morgen, während wir bereits im laufenden Auto saßen, auf Ulli aus Obersdorf. Wir quatschen ‘ne Weile und erfuhren das Ulli der Pilot des Hubschraubers ist, der in Sichtweite von uns stand. Der Campingplatz ist nämlich an eine Minengesellschaft vermietet die in den Bergen Probebohrungen durchführt und der junge Mann aus Obersdorf ist sozusagen der Busfahrer, er sorgt dafür, daß Personal und Material an ihren Einsatzort gebracht werden. Hier ist es Gang und Gäbe, den Luftweg zu nutzen um von A nach B zukommen; Strassen sind rar und das Gelände ist unwegsam und nur spärlich erschlossen. Ihr könnt es euch schon denken, oder? Ulli bot uns an, eine Runde mit zufliegen, da mussten wir nicht lange überlegen, hüpften in den Helikopter und freuten uns wie Schneekönige. Eine völlig neue, phantastische Erfahrung für uns Beide. Hey Ulli, es war saugeil! Vielen Dank! Wir wünschen Dir, daß sich Deine Zukunftspläne erfüllen.

Am Grenzübergang zu Alaska, einem Nadelöhr das alle auf dem Landweg Einreisenden früher oder später passieren, lernten wir die beiden Deutschen Conni und Thomas kennen, die einen Trip von San Francisco nach Alaska unternahmen und sich selber als Warmduscher bezeichneten ( oder haben wir das für sie getan? Ich weiß nicht mehr.) Bei ihrem Reisegefährt handelte es sich nämlich um einen VW Touareg. Jungs seid nicht so hart zu Euch selbst, wir würden einfach sagen, ihr fahrt die Mädchenvariante, während wir uns wie richtige Kerle fortbewegen. Wir freuen uns, Euch kennen gelernt zuhaben und sehen uns in San Fran! P.S.: Martha grüßt ganz herzlich Elchipups!

Ein abgefahrener Typ auf einer Enduro kam auf uns zu, Eric aus Sao Paulo, der innerhalb von nur 45 Tagen in seiner Heimatstadt startend, die Grenze zu Alaska erreichte und auf dem Weg nach Prudhoe Bay war. Leider schafften wir es nicht mehr, uns noch mal über den Weg zu laufen, aber selbst die kurze Begegnung reichte aus um festzustellen das er ein fast schon besessener Motorradreisender ist, dessen Hummeln ihm keine Ruhe gönnen. Eric, take care of you and we might catch up someday, somewhere, to have a beer together.

Fairbanks war nun nur noch einen Katzensprung entfernt, rund 420 Kilometer bis zu unserer nächsten Unterkunft. Wir fuhren und fuhren bis tief in die Nacht um unsere neue Homebase zu erreichen, doch 15 km vorm Ziel beschlossen wir um zwei Uhr nachts in Northpole, ein weiteres Mal unsere Villa Wiese aufzubauen. Northpole ist etwas für Kitschbegeisterte und Tüdelüttliebhaber. Santa Claus, Elfen, Rudis, Lichterkettengedöhns, der geballte Weihnachtssch.... und das im Sommer, bei 27 Grad Celcius und im Übermaß. Dezent ist was Anderes! Northpole, die Heimat Santas! Die Sekretärin des Weihnachtsmannes war bereits im Bett, somit suchten wir uns einfach einen netten Flecken Rasen und vollzogen völlig übermüdet das schon eingespielte Ritual. Der Start in den nächsten wunderbaren und sonnigen Tag trübte sich, als eine der Elfen erbost auf uns zukam, um schlechte Schwingungen zu verbreiten und uns dazu aufforderte, den Platz innerhalb der nächsten 20 Minuten zu verlassen. Da hatte jemand anscheinend noch keine Zuckerstange bekommen, an diesem wunderschönen Tag der Nächstenliebe. Beim Bezahlen setzte sie dann solch ein unnatürlich übertriebenes und schon fast furchteinflößendes Grinsen auf, als stünde sie unter Drogen, es sah so aus, als würde es ihr Schmerzen bereiten. Ich denke einfach, das sie mittlerweile ihre Stange bekommen hatte und sie an einer völligen Überzuckerung litt. Eins steht fest, in Sachen Nächstenliebe herrscht da noch gewaltiger Nachholbedarf. Wir ergriffen die Flucht in Richtung Fairbanks.

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