Fairbanks - San Francisco, zum Ersten.

13.07.-31.08.2008

Obwohl wir uns mittlerweile in Kalifornien die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, gehen uns Alaska und deren Menschen nicht aus dem Kopf; nächste Woche geht es erneut in den hohen Norden, doch diesmal ganz bequem und warmduschermäßig per Flieger.

Aber fangen wir weiter hinten an, dort wo wir vor über einem Monat aufgehört haben zu berichten.

Nachdem wir erneut etwas mehr Zeit in unserer „homebase“ in den Birkenwäldern Fairbanks verbracht hatten, um Euch von unserem Ritt zum nördlichsten (Anfangs)punkt unserer Reise zu erzählen und dabei erneut eine wunderschöne Zeit mit Ed, Ann, Trevor und all den anderen netten Menschen verbringen durften, beschlossen wir, nach getaner Arbeit die Brezel zu satteln, nochmal pillern zu gehen und gen Süden zu reiten. Genauer gesagt nach Seward, einem kleinen Ort, südlich Anchorages auf der sogenannten Kenai Peninsula gelegen, der nur darauf wartete von uns erobert zu werden.

Ed brach bereits vor unserer Abreise auf, um mit seinen Freunden über’s Wochenende im Denali Nationalpark, wie sollte es auch anders sein, eine Hike- und Rafting Tour zu unternehmen. Das müsst Ihr Euch in ungefehr so vorstellen: Man packt, mit einer Art Briefwaage bewaffnet, seinen winzigen Rucksack, denn Gewichtsersparnis ist hier oberstes Gebot, füllt sich sein „Essen“ (und wir reden hier nicht von Ravioli Konserven und Co) in kleine verschließbare Plastiktütchen und schmeißt nochmal ein kleines aufblasbares Gummiboot hinterher, fährt dann bis zum Park, setzt sich in den Bus und bittet dann den Fahrer einen mitten in der Pampa rauszuschmeißen. Damit beginnt dann der Spass. Man hiket einer, sich vorher mit Hilfe spezieller Software, ausgesuchten Route entlang, um dann nach etlichen Stunden des Wanderns das Boot zu Wasser zu lassen und dem Fluss folgend zu seinem Fahrzeug „raftet“ (Paddelboot fahren für Fortgeschrittene). So sind sie, die Alaskaner! Versteht Ihr jetzt warum wir so beindruckt sind, von diesem ungeheuren Aktivismus? Das ist auf jedenfall etwas anderes als sich an einem nicht zu kalten und nicht zu heißen Tag in den Wagen zu setzen, nach Kolle zu fahren und sich dort damit die Zeit vertreibt, Fischbrötchen und Eis zu verputzen und andere Leute zu beobachten. Nicht, das ich es nicht immer genossen habe, doch das hier ist anders und geht auch nicht so auf die Hüften.

Wir verabschiedeten uns von ihnen, mit dem Wissen sie einige Tage später auf dem „Dawson City Music Festival“ wiederzusehen; schön, so ein Abschied nehmen in Raten. Ihr könnt es Euch schon denken, oder? Gerade als wir das Laptop zusammenklappten, um in die überladene Brezel zu springen und durchstarten wollten, rollte die gesamte Hike- und Rafting Mannschaft auf den Hof. Anhand des Gelächters und des „Spottes“ uns immer noch vorzufinden, denke ich, überwog die Freude uns so schnell wiederzusehen, der Angst uns nie wieder loszuwerden. Sind wir doch selbst davon ausgegangen, schon den Vortag abgereist zu sein. Auf jedenfall wurden in diesem Moment des Wiedersehens einige Wetten verloren. Wir verabschiedeten uns zum dritten und nicht letzten Mal von unseren Freunden und rollten, mit der versammelten und winkenden Meute im Rückspiegel, vom Hof. Während uns bei diesem Anblick ein Schauer den Rücken hinunterlief, freuten wir uns schon darauf mit ihnen in Dawson City abzurocken.

Unser Plan (haha) von Seward nach Anchorage und dann in einem Bogen über den „Tok cutt off“ Hwy in Dawson einzufallen, änderte sich, ohne das wir es wussten innerhalb eines Augenblickes (im wahrsten Sinne des Wortes). Auf dem Weg zum Denali Nationalpark erspähten wir, was bei unserer enormen Reisegeschwindigkeit, die der des Schalls bedrohlich nahe kommt, gar nicht so einfach ist, im Augenwinkel ein Fahrzeug, welches einem alten VW Bus sehr nahe kam. Hätten wir in dieser hundertstel Sekunde mit den Augen gezwinkert, jaaa dann hätten wir es wohl tatsächlich mal geschafft einen Plan, der mehr als eine Stunde übergreift, in die Realität umzusetzen; aber was soll’s, Ihr kennt das ja, hätten hätten und nicht haben ... Stattdessen drehten sich unsere Köpfe zueinander und ohne ein Wort zu sagen tauschten wir die wichtigsten Infos und Verlangen rein visuell aus; worauf das rechte Bein, mehr oder weniger zeitgleich, eine Bewegung ausführte, die den Wagen zum Stehen brachte. Ein wunderschönes Beispiel dafür, das tief in dem Menschen immernoch, ... wenn auch rudimentär und nicht so stark ausgeprägt wie der Trieb sich fortzupflanzen, obwohl das ja auch ...aber lassen wir das, ... der Trieb des Jagens und Sammelns vorhanden ist.

Bei dem VW Bus handelte es sich um ein Modell von 1957 in L311 und L312, wir sprachen mit der jungen Besitzerin, die uns versicherte ihn nicht verkaufen zu wollen. Im Gespräch erzählte sie uns dann vom Schrottplatz ihres Ex- Freundes. Wir hatten Blut geleckt und die Witterung aufgenommen. Die selbe Strecke, die wir gekommen waren, fuhren wir nun erneut in nördlicher Richtung, um fünfzehn Minuten später zwischen Altmetall made in Wolfsburg, Hannover und Brazil lustzuwandeln. Na, könnt Ihr Euch denken warum wir nochmal nach Alaska fliegen? Genau, einer der Busse passte exakt in unser Beuteschema; ein 1964 zum Camper umgebauter und noch in Originallack getauchter Kastenbus, der einen grossen Teil seiner Jahre in Kalifornien verbrachte und sich wohl, so wie wir im Moment, die meiste Zeit die Sonne auf’s Blech hat scheinen lassen, was ihm sehr zu gute kam. Der Versuch sich mit dem Besitzer in Verbindung zu setzen scheiterte vorerst, wir hinterließen ihm eine Nachricht und fuhren, vollgepumpt mit Endorphienen und genügend Gesprächstoff versorgt, in Richtung Denali- Nationalpark.

Der Park zeigte sich uns verregnet und nebelig, aufgrund der ernüchternden Nebelerfahrung, die wir oben in Prudhoebay machen durften, ( 38 Dollar pro Person fuer 10 Minuten Nebel, die wir uns auch noch teilen mussten), entschieden wir uns dazu, das Geld für eine Bustour mit dem Ziel Wildlife und Mount Mc Kinley lieber in eine Tankfüllung zu investieren. Da die Campingplätze im Denali zu dieser Jahreszeit hoffnungslos ausgebucht sind, versuchten wir es diesesmal auf eine ganz andere Art und Weise: Und zwar zur Untermiete! Da die Campsites hier für bis zu acht Personen ausgelegt waren, das heisst, ob nun als Single oder mit seinem siebenköpfigen Harem, die Kosten sind die gleichen, versuchten wir Obdach zu finden. Großes Glück, denn es ist mittlerweile recht spät gewesen, trafen wir auf Iris und Stefan, die uns einluden ihren bereits abgesteckten Claim mit uns zu teilen. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit den Beiden bis wir uns dem Nieselregen entzogen und in’s Zelt krochen, um in einen tiefen und festen Schlaf zu fallen.

Mittlerweile schon in Übung, war das Zelt innerhalb weniger Minuten im Auto verstaut und wir und die Brezel bereit dem trostlosen Wetter zu entfliehen. Zu häufig hatte es in den letzten Tagen geregnet, als das wir uns an dem Nass hätten erfreuen können. Wir hatten es satt; verabschiedeten uns von unseren Gastgebern, versuchten mit dem Besuch des Souvenir- und Fressladens wenigstens einen Teil des Denalis kennenzulernen und flüchteten anschliessend Richtung Süden.(Nein, natürlich haben wir uns auch das Wildlife- und Informationscenter angesehen.) Einen lieben Gruss und einen herzlichen Dank an Iris und Stefan für die nette Unterkunft im Denali.

Wir wissen nicht weshalb, aber seit dem Verlassen Fairbanks trafen wir vermehrt auf nette, wildfremde Menschen, die uns Geld zusteckten. Sahen wir denn wirklich schon so abgerissen und unterernährt aus? Oder rochen wir so stark, (nach erst vier Tagen ohne Dusche eigentlich unvorstellbar) das die Menschen uns einen dezenten Wink mit dem Zaunpfahl geben wollten, unsere Körper nochmal mit Wasser und Seife in Berührung zu bringen? Nach anfänglichen Verweigerungen gewöhnten wir uns an die netten Gesten und nahmen nach mehrmaligem Verneinen die Spendengelder unserer Sponsoren dankend an. Genau an dieser Stelle nochmals einen ganz herzlichen Dank an all unsere Gönner! Thanks a lot to all the friendly people, that supported us with a breakfast, lunch or dinner! Selbst für eine Dusche reichte es zur Freude aller beteiligten. Wir trafen auf Bridgett und Corey, ein junges Päarchen aus Wisconsin, die uns zum Dinner einluden; auf Rob und seine Tochter Catherina aus Nevada, die mit der Harley unterwegs gewesen sind und uns Geld in die Hand drückten; auf Katharina und Dieter aus Deutschland, die uns kurz nach dem Aufstehen erleben mussten; ein schlimmer Anblick: zwei ungewaschene und völlig zerknitterte Typen, die sich kurz zuvor aus ihrem ranzigen Käfer pellten und das mitten im Wald. Die Beiden überholten uns dann später und bremsten uns mit ihrem Wagen aus, Katharina sprang heraus, lief auf uns zu und drückte uns mit den Worten: „Geht mal lecker davon frühstücken.“ Geld in die Hand. Vielen Dank, wir hoffen Ihr konntet der Heuernte entgehen.

Man kann nicht gerade behaupten, wir hätten viel von der 272.687 Tausend Seelen starken, alsakanischen Stadt Anchorage gesehen; das „countrykitchen“, ein Restaurant, in dem wir mit Bridgett und Corey zu Abend aßen, ein paar Nebenstraßen und einen „puplic garden“ (Gemeindegarten), auf dessen Gelände wir unsere Villa Wiese aufbauten. In Seward angekommen, besuchten wir das „Alaska Sealife Center“ und lernten, auf der Suche nach einer Futterquelle, Olaf, Gabriel, Adrian, Cloe und Camille kennen, eine junge deutsche Familie, die schon seit mehreren Jahren in Detroit lebt. Beim Abendessen unterhielten wir uns über Gott, die Welt und noch viel mehr. Euch allen einen recht herzlichen Dank für Eure nette und interessante Gesellschaft und die Einladung zum Dinner; es ist mir ein riesiger Spaß gewesen mit Cloe und Camille rumzualbern. Euch allen, alles Gute! Anschliessend sind Dirk und ich zwei, drei Türen weitergezogen um in einer der örtlichen Kneipen die Einheimischen und deren Gewohnheiten zu studieren. Zur späteren Stunde und ohne herausragende Studienergebnisse vorweisen zukönnen, machten wir uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz und entdeckten dabei einen völlig abgelegenen Campingplatz am Rande des Ortes. Mitten im Wald und an der Küste des Fjordes gelegen, ein Traum.

Auf dem Weg in den Norden, schmiedeten wir erneut Pläne, die entgültige Entscheidung fiel jedoch erst in Anchorage, als wir vor der Wahl standen: entweder „Tok cut off“ nach Dawson City, oder erneut durch Fairbanks, um zu unseren Freunden zum Music Festival zu gelangen. Also Bus oder nicht Bus. Just in time erreichten wir Carl, den Schrottplatzbesitzer; nach einem kurzen Gespräch über den von uns auserwählten Camperbus, fuhren wir noch an dem selben Tag zurück in Richtung Fairbanks und stellten unser Zelt in dieser Nacht in mitten der alten VW’s auf. Am darauf folgenden Morgen lernten wir Carl kennen, ein sympathischer junger Kerl in unserem Alter. Per Handschlag besiegelten wir den Busdeal; über’s Geld möchten wir hier nicht sprechen, nur soviel, hätte ich ihm den Golf, den er für einen Kunden etwas auffrischte, nochmals überlackiert, wäre der Bus schon unser gewesen. Das Vorhaben den Bus nach Deutschland zu verschiffen, schmissen wir ersteinmal über Bord, die Idee in jedem Land der Erde einen Wagen zu deponieren mit dem man voller Freude das Land bereist, gefiel uns da schon viel besser, wo unser sechsmonatiges Visum für die USA doch für zehn Jahre gültig ist und wir hier noch viel zu entdecken haben. Wo wir den Bus unterbringen, darüber zerbrechen wir uns später den Kopf, getreu dem Motto „Don’t panic to early!“, doch wir haben uns da schon was überlegt.

Wir fuhren weiter nach Fairbanks und überraschten Ann, die wohl nicht damit gerechnet hatte uns so schnell wieder zusehen, das konnte man deutlich ihrem Gesicht entnehmen. Woher auch, wussten wir es doch selbst nicht einmal. Mit einer Dusche und einer Mütze voller Schlaf verließen wir Ann am nächsten Morgen wieder und fuhren auf dem "Alaska“- und dem „top of the world“ Highway nach Dawson City, zu Ed, Travor, Mark und Dan; Julie, Christen, Lizer und Dee, ... . Doch nicht ohne zuvor nochmal eine Nacht im Zelt verbringen zu müssen, zu spät in Fairbanks gestartet, schlängelten wir uns bis spät in die Nacht über schmale Lehm- und Schotterpisten, durch wunderschöne nebelverhangene und einsame Gebirgslandschaften, die uns das Gefühl vermittelten alleine auf diesem Planeten zu sein, nicht ein Zeichen von Zivilisation, absolute Dunkelheit und Stille! Wir hätten es noch durchgezogen, doch der Schlagbaum des kanadischen Grenzpostens versperrte uns den Weg nach Dawson. Blinkende Lichter und ein Schild wiesen uns dezent darauf hin, das die Grenze während der Zeit von acht Uhr abends bis acht Uhr in der Früh verschlossen bleibt. Wir schliefen auf dem Schotterplateau eines Lookoutpoints (Aussichtspunkt) und erfuhren zum ersten Mal was es heißt bei niedrigeren Temperaturen im „Freien“ zu schlafen. Das ist auch das bisher einzige Mal gewesen, das ich meinen Polyester-Sarkophag (bis 0 Grad Fahrenheit das entspricht ca minus 17,78 Grad Celsius) am naechsten Morgen nicht auszuwringen brauchte.

Dawson City, bekannt als die Goldgräberstadt schlechthin, liegt am Zusammenfluss der berühmt-berüchtigten Flüsse Yukon und Klondike und konnte sich trotz des starken Tourismus seinen Goldgräbercharme über die Jahrzehnte beibehalten. Wo sonst kann man einen fiesen Hardstoff zu sich nehmen in dem ein menschlicher Zeh gerade versucht sein Seepferdchen als Freischwimmer zu machen. Das Ding sieht ziehmlich alt und schrumpelig aus und hätte etwas Pedikuere notwendig. Das Gute daran, es ist immer der Selbe; woher er genau kommt wird einem nicht erzählt, vielleicht die Spende eines Sägewerkers, wer ihn verschluckt muss sich um Nachschub kümmern, so einfach ist das. Hart aber fair! Dirk und ich wurden Teil des nun seit 30 Jahren stattfindenden Music Festivals, das wir ausgiebig mit unseren Freunden genossen. Nun nahmen wir erneut Abschied, ich glaube es ist das vierte Mal gewesen, und machten uns auf in den Süden mit dem Ziel Sommer, Sonne, Sonnenschein.

Über die Etappe Dawson- Seattle lässt sich eigentlich nicht viel sagen, vielleicht nur soviel: Wir versuchten sie so schnell wie möglich hinter uns zu bekommen, freuten wir uns doch schon wieder daruf heimzukehren, zu Roxy; jetzt wo es ersteinmal kein zurueck mehr gab. Die Alaskaner sind einzigartig und ihr Land wird uns immer begeistern.

Ihr erinnert Euch noch an den Koffer, den wir zur Erleichterung des Käfers bei den freundlichen Damen des Visitor Centers (Besucherzentrum) in Obhut gegeben haben. Ja genau der, mit all dem mehr oder weniger überflüssigen Kram. Wir erinnerten uns leider auch noch an ihn. Die Hoffnung, er sei nach all den Wochen abhanden gekommen, erfüllte sich leider nicht; er stand noch immer an seinem Platz, in all seiner prallen Schönheit, ohne auch nur ein Gramm verloren zu haben. So’n Mist! Falls noch jemand von Euch Schneeketten, Überbrückungskabel oder Abschleppseil benötigt, auf Anfrage geben wir gerne die genaue Anschrift des Visitor centers bekannt.

Wir trafen John wieder, John, der mit den Hummeln im Hintern, der der ständig ein Projekt braucht an dem er sich austoben kann. Speedboot sind wir diesmal nicht gefahren, doch wir konnten uns von den Fortschritten im Restaurant überzeugen, lernten seine Familie kennen und kamen erneut in den Genuss in einer seiner Cabins zu nächtigen. Wir trafen Rene wieder, oder besser gesagt, er uns. Dirk und ich konnten uns beide bei bestem Willen nicht daran erinnern ihn damals auf dem Gospelfestival, Ihr wisst schon, das Christianisierungscamp am Steekine River, kennengelernt zu haben. Die Leute und das Camp müssen echt eine hypnotisierende Wirkung auf uns gehabt haben. Ihr kennt den Film „Men in black“ mit Will Smith und diesem Blitz- Dings-Bums mit dem sie einem die Erinnerungen löschen,; so, oder so ähnlich muss es gewesen sein. Zu den besonderen Menschen, die einem nicht täglich über den Weg laufen und in der Erinnerung haften bleiben, wird man nicht gerade geblitzdingsbumst, gehören auch Julie und Leon, die beiden lebten für eine Weile auf dem Campingplatz, in zwei dieser wunderschönen alten Blockhütten unten am See. Die Nacht verbrachten wir mit den Beiden am Lagerfeuer sitzend mit Blick auf den See. Julie und Leon spielten Gitarre und sangen, wir lernten sie ein bisschen besser kennen und genossen die Nacht. Julie, ein Mädel Anfang 20, die per Anhalter unterwegs gewesen ist und bereits mehrere Jahre im Ausland gelebt hatte. Leon, der 15-jährige aus Vancouver, der mit John’s Kindern befreundet ist, aber, untypisch seinem Alter verhaltend, lieber mit uns zusammen saß und über’s Leben philosophierte, anstatt sich mit Videokonsolen und Actionfilmen zu beschäftigen. Für sein Alter ist er vielen anderen bereits weit voraus gewesen. Es ist eine wunderschöne Zeit gewesen, die wir gerne noch länger genossen hätten, doch es gab tatsächlich so etwas wie einen Plan, der uns nur ein knappes Zeitfenster erlaubte. Hey Rene, we wish you to find your way to Switzerland or Southamerica! And John, keep it rolling. Julie, take care of you! Leon, keep following your dreams.

Zur Abwechslung und zur Arbeitserleichterung der grünen Asphaltblase ließen wir den „Sea to Sky“ Hwy rechts liegen und fuhren auf dem „Alaska“ Hwy an Vancouver vorbei auf die Nummer 5 in Richtung Seattle. Statt Roxy in der Alki Avenue 3036 vorzufinden, trafen wir auf ihren neuen Mitbewohner Skyler. Roxy sollte erst in einigen Tagen von Manila zurückkehren um dann gleich wieder nach Frisco und Hawaii durchzustarten. Kein Wunder, daß die meisten Kommentare ihrer bisherigen Gäste so oder so ähnlich lauteten: „Auch wenn ich Roxy nicht einmal zu Gesicht bekommen habe, fühlte ich mich an ihrem Platz sehr wohl.“ Dirk und ich hatten wohl Glück, haben wir doch mindestens eine von fünf Wochen mit ihr verbracht, also das heißt, wir sahen sie hin und wieder. Die Freude sich wiederzusehen war beiderseits sehr groß. Wir lieben sie, unsere kleine butch!

Die nächsten zwei Wochen verbrachten wir damit, einen weiteren Campingbus aufzutreiben. Ein T2 oder T3 sollte es sein, um mit unseren Freunden aus Deutschland die Gegend um San Francisco zu erkunden. Folgendermassen hatten wir uns den Ablauf der kommenden 3 bis 4 Wochen vorgestellt: in Seattle einen guten Bus kaufen, den Käfer hinten dranhängen, um auch mal einen auf „rollende Festung“ zu machen, dann nach San Fran fahren um unsere Freunde aufzusammeln, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen und den Bus dann irgendwann wieder in Kalifornien verkaufen. Richtig! Wir müssen selbst lachen; einen Plan über 4 Wochen, haha! Hier die Realität: Wir haben uns einige, völlig überteuerte Möhren angeschaut, waren immer wieder von der Kommunikations- und Cooperationsschwere der US- Amerikaner beeindruckt und mußten mit zusehen wie ein Tag nach dem anderen verging. Wertvolle Tage, die einem nicht auf’s Guthabenkonto übertragen werden, um sie später im Leben nachzuholen. Irgendwann trafen wir dann auf die Aussnahme der Regel fanden einen fairen Bus und lernten dessen überdurchschnittlich netten Besitzer kennen; wir dachten der Drops ist damit gelutscht. Dirk und ich fuhren den Bus zu unserem Freund Jack von „Wolfsburg Motorworks“ um dort einen „buyersreport“ (eine Art technische Durchsicht) erstellen zu lassen, doch gerade auf dessen Hof gerollt, blieben unsere Augen wieder an dem roten T3 Westfaliacamper hängen. Er sollte nur wenig mehr kosten, befand sich aber in wesentlich besserem Zustand. Wir machten die Sache mit Jack dingfest und stellten uns somit einer neuen Herausforderung: Geldtransfer. Trotz Globalisierung und internationaler Abkommen und Zusammenarbeit, gar nicht mal so einfach. Der Faktor Zeit spielte hierbei eine entscheidene Rolle. So seltsam es auch klingen mag, da wir für ein Jahr oder länger durch den amerikanischen Kontinent tingeln wollen, aber in diesem Moment ist es Zeit gewesen, die wir nicht wirklich über hatten. Kannten wir doch Ankunfts- und Abflugsdaten unserer Freunde. Aryan, der bereits in Los Angeles angekommen war, entschloss sich dazu, nach zwei Tagen im Großstadtdschungel, zu uns nach Seattle zu fliegen. Doch selbst eine Woche später als Roschy und ihr einjähriger Sohn Rylee in L.A. landeten, ist der Busdrops nicht gelutscht gewesen. Der Transfer des Geldes zog sich in die Länge. Mit nur einem Anruf wurde uns letztendlich die Entscheidung genommen. Roshy meldete sich eines Nachts bei uns aus L.A. . Sie fühlte sich sehr unwohl, eine Art Grippevirus hatte sie heimgesucht und die Tatsache, einen Einjährigen bei sich zu haben, machte die Situation nicht einfacher. Noch in der selben Nacht buchte ich einen Flug, acht Stunden später holten mich Roshy und der Kleine am Flughafen in L.A. ab. Flexibilität und „just in time“, zwei Ausdrücke, die uns wohl bis an’s Ende des Reisens begleiten und noch oft für Abwechslung sorgen werden. Nach einem weiteren Tag des Grübelns beschlossen wir uns alle in San Francisco wiederzusehen; dabei würde ich mit Roshy und dem kleinen Mann entlang des Highway number 1 und 101 in Richtung Norden fahren, während Aryan und Dirk auf der Küstenstraße in südlicher Richtung San Francisco erreichen wollten und das ohne Bus, ganz puristisch im grünen Käfer. Wir versuchten, jedes Team auf seine Art und Weise, den Roadtrip zu genießen und starteten durch. Um es gleich vorweg zu nehmen, es hat mir sehr viel Freude bereitet unterwegs zu sein und soviele neue Impressionen einzufangen, aber ich würde jederzeit eine olle Kiste, einem modernen Wagen vorziehen. Reisen im PT Cruiser ist wie Rührei ohne Speck oder zu Kommen ohne Sex zu haben. Ich freute mich für die Beiden dasein zu können, Roshy brauchte die Ruhe und Erholung dringend um ihren Virus loszuwerden, während ich es genoss in die Rolle eines Papas zu schlüpfen; so anstrengend es auch oft ist sich um so einen kleinen Racker zu kümmern, doch wenn er einem auf der Brust liegend einschläft und sich anscheinend geborgen fühlt, oder einen anlacht und sich freut, dann sind all die Momente der Anstrengung vergessen. Wir genossen die sonnigen Tage und die Küste während sich Dirk und Aryan mit unseren Freunden Brooke und Andrew amüsierten und sich eine Menge Bäume anschauten.

Wie immer kurz vor knapp konnte ich von einer Telefonzelle in San Francisco aus Erik erreichen. Er hatte kein Problem damit, viereinhalb unbekannte Deutsche, um zehn Uhr abends in seine Wohnung einzuladen. Gut für uns, denn einen Plan "B" in Sachen Unterkunft gab es noch nicht wirklich. Erik hatte ich so wie auch Roxy und Ed über das Internet angeschrieben. Wir teilten dem Team Dahmer- Tayefeh Erik’s Adresse mit und vereinbarten, uns dort zu treffen. Die Wiedersehensfreude der beiden Teams war groß. Als wir, bereits zu viereinhalbt, von Erik an der Haustüre in Empfang genommen wurden, gesellte sich plötzlich, aus dem Dunkeln kommend, ein junges Mädel mit Rucksack und Koffer beladen zu uns und fragte unseren Gastgeber nach seinem Namen. Aus viereinhalb mach fünfeinhalb, so einfach geht’s, die Gruppenkarte in Zoo und Kino war uns auf jedenfall sicher. Zum Glück hatte sich Erik mit den Daten verhaspelt, erwartete er doch eigentlich drei Italienerinnen, anstelle einer Deutschen namens Niki. Aufkommende Bedenken, der Platz könnte für die Reisegruppe „Garmisch- Partenkirchen“ nicht ausreichen, wurden beim Betreten der riesigen Wohnung ganz schnell aus dem Weg geräumt. Ein gewaltiger Palast, für den man einen Plan oder Walki-Talkis mit sich führen sollte, zumindest für die ersten Tage der Orientierungsphase, um auf der Suche nach der Küche nicht in einem der Seitenfluegel dem Hungertod zu erliegen. Die folgenden Tage taten wir das was eigentlich schon viel früher eingeplant gewesen ist, wir erkundeten gemeinsam die Umgebung, fuhren durch gewaltige Redwoodwälder und genossen die Stadt an der Bay und ihr Treiben. Nach einer Woche hieß es dann leider wieder Abschied nehmen. Aryan, Roshy und Rylee fuhren zurück nach L.A. um in den Flieger nach Deutschland zu steigen und wir begannen, die liegengebliebenen Dinge aufzuarbeiten. Einen ganz lieben Gruss an Roshy, Rylee und Aryan; auch wenn es nicht ganz so abgelaufen ist wie es geplant war, wir haben die Zeit mit Euch sehr genossen. Wir hoffen das auch ihr eine schoene Zeit hattet. Leben lässt sich nunmal nicht planen.

Es kommt doch immer einiges an Text und Bildern zusammen, die Konzentration der Erlebnisse beim Reisen ist nun mal viel höher als beim Eierschaukeln auf dem Sofa. Auch wenn es auf unserer Internetseite „Reisetagebuch“ heißt, nehmt es bitte nicht zu wörtlich. Einen Grund dafür, das wir diesen Assikringel überhaupt machen, ist die Ruhe und der Genuss des Treibenlassens und so soll’s auch bleiben! Beim Arbeiten an unserer Seite fiel uns die Nachricht Mark’s auf. Er lud uns mit einem Eintrag in unserem Gästebuch dazu ein, die Rennbrezel in seinem Shop durchzuchecken. Wir verabredeten uns mit ihm ohne dabei zu wissen, was uns am nächsten Tag erwarten würde. An alle diejenigen, die nichts mit alten Autos zu tun haben: Ihr könnt ersteinmal zum Kühlschrank gehen oder den Wasserspiegel im Klosett erhöhen. Die nächsten Zeilen werden stinklangweilig.

An all die Altmetallbesessenen und VW- Bekloppten: versucht Euren Speichelfluss unter Kontrolle zu halten auch wenn’s hart wird und legt Euch vorsichtshalber schonmal frische Unterwäsche zurecht. Die von uns erwartete VW Werkstatt ist eine gewaltige Sammlung seltener Volkswagen aller Art und die angeschlossene Werkstatt, die zur Restauration der Klassiker dient, ist riesig, ausgestattet mit den feinsten Werkzeugen und mit einem gewaltigen Lager an Ersatzteilen. Mark ist einer der großen kalifornischen VW Liebhaber, die die Möglichkeit besitzen, ihrer Leidenschaft ausgiebig zu fröhnen. Und das schöne an der ganzen Sache: Er mag sein Hobby mit den Menschen teilen.

Schon auf dem eingezäunten Hof sahen wir bei unserer Ankunft mehrere alte Käfer und Busse stehen, doch dies war nur die Spitze des Eisberges. Mark empfing uns an der Tür und begrüßte uns. Schon wieder einer dieser Menschen, die einem auf Anhieb sehr sympathisch sind, ein herzensguter und fröhlicher Mensch, bei dem wir gleich das Gefühl vermittelt bekamen langjährige Freunde zu sein, die man lange nicht gesehen hat. In einem Affenzahn und mit einem Informationsfluß, dem unsere, unter Sauerstoffmangel leidenden, Gehirne kaum folgen konnten, zeigte er uns etwas, das dem Himmel für VW Narren ziehmlich nahe kommen muss. Ein ganzes Zimmer voller VW Literatur, alles was man sich vorstellen kann; originale Verkaufsprospekte, Reparaturanleitungen, Musterbücher für Stoffe und Farben, ... . Ein Zimmer voller VW Modelle und Spielzeuge; einen Raum mit einem gewaltigen Heimkino, den er selber als „bachelor pad“ (Junggesellenbude) bezeichnet; eine große Halle, in der mehrere Dutzend restaurierter und originaler VW’s auf’s Bewegt werden warten und eine riesige Werkstatt, in der man bei jedem Betreten erneut irgendwo in einer Ecke oder unter einem Laken eine Karosse entdeckt.Hier warten zum Beispiel Schwimmwagen und 46er Brezel auf ihre Wiederauferstehung, um dann endlich im Raum nebenan mit den anderen um die Wette glänzen zu können. Selbst der Hof ist vollgepackt mit wunderschönen und teilweise seltenen Klassikern. Wir fuhren ersteinmal wieder nach San Fran, um uns bei Erik und Niki zu erholen, Sauerstoff zu tanken und das eben gesehene zu verarbeiten. Am nächsten Tag nahm Ray, Marks Mechaniker, unsere treue Erbse auf die Bühne und unter die Lupe, gemeinsam kümmerten wir uns um einige Dinge, die der Brezel und auch uns zu Gute kommen sollen. Um die Sache jetzt mal abzukürzen, denn nicht jeder ist so Auto bekloppt; wir bekamen die Schlüssel in die Hand gedrückt, den Code für die Alarmanlage verraten und wurden dazu aufgefordert Spaß zu haben. Obwohl wir uns eigentlich mittlerweile an die Großzügigkeit und Freundlichkeit unserer gemachten Bekanntschaften gewöhnt haben sollten, konnten wir es nicht vermeiden mit offenen Mündern dazustehen. Der Mann, der uns erst einige Stunden kannte, hatte uns ne gewaltige Menge wertvolles, altes Blech anvertraut. Die folgenden Tage verbrachten wir mal in unserer Stadtwohnung, mal auf dem Landsitz; machten uns einen Spaß daraus mitten in der Nacht die Lichter in der Sammlungshalle einzuschalten und uns in die Autos zu setzen; fuhren eines Tages mit dem Schwimmwagen zum Imbiss um die Ecke und tänzelten, vor Freude und Fassungslosigkeit wie irre lachend, nackt um die Autos herum. Ok, manschmal geht die Phantasie mit mir durch, wir haben vor Freude gegrinst und nicht wie irre gelacht. Mal schliefen wir im Camperbus in Mitten der Sammlung, ein anderes Mal fielen wir, mit Pizza und Eis versorgt, vor der Kinoleinwand in den Schlaf. Da war es wieder, das verdammt harte Leben. Wir sind voll reingerutscht, in die kalifornische Volkswagen- Szene, in Internetforen machen sich die Leute, die uns vorbeifahren sahen, Kopf darüber, wo wir herkommen, wo wir hinwollen und was wir hier überhaupt treiben; wir schliessen ständig Kontakte mit anderen VW- Enthusiasten und werden eingeladen.

Doch jetzt geht es ersteinmal mit Ersatzteilen versorgt und um ein Teammitglied reicher, zurück nach Alaska, da gibt es noch einen Bus, der auf uns wartet.

Der Plan ( nicht lachen) : Dienstag Nacht unseren Freund Perle aus Deutschland in Empfang nehmen, ein paar Stunden später weiter hoch nach Fairbanks fliegen, den Bus zum Laufen und Bremsen bekommen, noch etwas Zeit mit unseren Freunden genießen und uns dann im Bus auf den Weg in Richtung San Francisco machen. Hört sich doch gar nicht so kompliziert an, oder? Aber Ihr wisst ja wie das so mit der Einhaltung irgendwelcher Pläne ist.

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