Viva Mexico!

11.02.2009 - 10.03.2009

Trotz all der Unkenrufe und wider der Erwartungen einiger unserer Freunde, haben wir es tatsächlich geschafft, den USA den Rücken zu kehren und starteten unsere Kaffeefahrt nach Mexico, Latein- und Südamerika. Wir haben gehört, dass die Heizdecken da unten wesentlich günstiger sein sollen.

In Mountain View gestartet, stellte sich das, mittlerweile schon etwas ungewohnte, Gefühl des Unterwegs-Seins wieder ein. Doch so richtig von “on the road” konnte man noch nicht sprechen. Nachdem die Erbse vollgepackt, die Punkte auf der “To do Liste” abgehakt, wir uns von Mark, Ray und der Gurke verabschiedet hatten, setzten wir uns in Bewegung; doch unser nächstes Ziel hieß ersteinmal nicht Ushuaia, sondern San Francisco. Hier wollte Dirk noch einige Aufnahmen machen und wir unserer Freundin Niki Auf Wiedersehen sagen. Ihr könnt es euch bestimmt schon denken, an diesem Tag sind wir nicht weit gekommen, die Reisegruppe “Slow Motion” mit den Reiseführern Dirk und Torsten legte nochmals eine Nacht in der Stadt and der Bay ein, bevor es am nächsten Morgen mit großen Schritten in den Süden gehen sollte.

In dem Hostel namens “Amsterdam”, in dem wir für diese eine Nacht abstiegen, lernten wir während des Frühstücks Alexandra aus Bremen kennen. Alexandra ist eine dieser weit gereisten, unkomplizierten und liebenswürdigen Menschen, die man auf Anhieb in sein Herz schließt. Ihre Kunst, die wir uns mit großer Begeisterung anschauten, verschlug sie für eine Weile in die USA. Sie machte sich noch am selben Tag mit dem Flieger auf die Socken nach L.A., während wir der Erbse Flügel verliehen, um an der Küste entlang zu schweben. In Los Angeles sollte es dann ein Wiedersehen mit Alexandra geben, außerdem bat sie uns, etwas “Sperrgut” mit zu nehmen. Schnell war ihr Redwood Stock auf dem Gepäckträger verstaut und wir auf dem Weg in Richtung Ushuaia.

Wir genossen es in vollen Zügen, uns entlang des Ozeans, vorbei am “Big Sur” und Orten wie Santa Cruz, Monterey und Carmel zu schlängeln und nach einigen Regentagen auch endlich nochmal die Sonne zu sehen. In dem schnuckeligen Ort namens San Luis Obispo haben wir Eric und Cynthia kennengelernt; die beiden haben uns, auf einen recht kurzfristigen Anruf hin, zu ihnen eingeladen. Eric mag unter anderem alte VW`s und hatte uns lange zuvor eine nette Nachricht in unserem Gästebuch hinterlassen; das lag ungefähr ein halbes Jahr zurück, klar, dass er da ersteinmal etwas länger überlegen mußte, als wir ihn nach so langer Zeit anriefen. Wie sich herausstellte, sind die beiden gute Freunde von Mark, ja, auch hier ist die Volkswagenwelt verdammt klein!

Ungefähr eine halbe Stunde nach unserem ersten Telefonat saßen wir gemeinsam bei Eric und Cynthia im Wohnzimmer und führten eine aufregende Unterhaltung nach der anderen. Sie luden uns zum Essen und dazu ein, unser Nachtlager in ihrem Wohnzimmer zu errichten. Die beiden leben in einem wunderschönen Haus, welches in einem bezaubernden Garten eingebettet ist; sobald man das hölzerne Gartentor hinter sich schließt, befindet man sich in einer Oase der Ruhe und Esthetik. Es fiel uns nicht einfach, diese beiden, die so voller Ideen stecken und uns sehr stark inspirieren, zu verlassen.

Thank you Cynthia and Eric, it`s a great gift to know you, you and your place inspired us a lot.

Etwas weiter südlich, in einem kleinen Ort mit dem Namen Carpinteria, trafen wir uns mit Dan Price, er ist ein Freund der beiden aus San Luis Obispo. Dan lebt eine, für die meisten von uns, sehr spezielle Art des Lebens. Für ungefähr sechs Monate des Jahres bereist er die Welt (sein kleiner Chevy Van beherbergte eine Matratze, sein Surfboard und sein Fahrrad; was braucht man viel mehr?). Die restliche Zeit des Jahres lebt er oben in Oregon, hier mietet er sich für 100 Dollar im Jahr ein Grundstück im Wald, auf dem er sich ein kleines “Häuschen” aus Stein gebaut hat. Es ist klein, glaubt uns, Dan zeigte uns Bilder; keine zwei Meter und fünfzig im Durchmesser, über Stehhöhe brauchen wir gar nicht zu reden. Dan bezeichnet es selbst als eine Art “Hobbit Home”. Das witzige an den Bildern seines Hauses, ist der riesige Kopierer gewesen, der im Inneren stand, er nimmt bereits die Hälfte der Wohnfläche ein. Dan führt so etwas wie ein Tagebuch, das er unter dem Titel “Moonlight Chronicles” veröffentlicht; es gibt vier Ausgaben pro Jahr. Klickt euch mal durch seine Webpage www.moonlightchronicles.com , es lohnt sich, solch einen interessanten Menschen trifft man nicht alle Tage!

Tja, Los Angeles, die Stadt der Engel, also wenn so der Himmel aussehen soll, dann fühlen wir uns in der Hölle besser aufgehoben. Der einzige Grund, der “ Vorortsmegametropole” nicht mit Vollgas zu entfliehen, hieß Alexandra. Wir trafen uns mit ihr am Venice Beach, unterhielten uns bei einem netten Kaffeeklatsch, lieferten den Stock aus und versuchten, den Engeln so schnell wie möglich zu entkommen.

Hey Alexandra, deine Jungs wünschen dir alles Gute und freuen sich schon darauf, mit dir irgendwo in Bremen zu sitzen und das Leben zu geniessen. Pass auf dich auf!

Gar nicht mal so einfach, dem Getümmel zu entfliehen; während man den einen Stadtteil L.A.'s im Rückspiegel verschwinden sieht, merkt man beim Blick durch die Frontscheibe, dass man bereits mitten im Nächsten steckt. Alle gehen sie ineinander über und so etwas wie einen Stadtkern gibt es nicht. Los Angeles ist riesig, entweder man hasst oder liebt es! Wir versuchten, diesem Megametropolenmonstermoloch so schnell wie möglich zu entfliehen.

Der Rest der Strecke, bis zum Verlassen der USA, verlief ohne besondere Vorkommnisse. Mexico hiess uns mit offenen Armen willkommen, entert man das Land, gibt es nicht eine Person, die das in irgendeiner Art und Weise interessiert. Uns wurde nun ganz schnell klar, einen neuen Abschnitt unseres Trips zu beginnen. Nach über 8 Monaten hieß es nun “Goodbye USA”.

Erinnert ihr euch noch an Irak und seine reizende Familie, bei der ich bereits einmal so nett aufgenommen wurde, als mein Visum auslief? Diesmal fanden wir beide Unterschlupf bei ihnen in Tijuana. Die Stadt besitzt rund 1,3 Millionen Einwohner, ist die Grenzstadt mit den weltweit meisten Grenzüberschreitungen, besitzt ein wunderbar unübersichtliches Strassennetz und steht in Sachen Kriminalität in den meisten Reiseführern an erster Stelle. Die Fakten sprechen ersteinmal für sich, da waren wir doch sehr froh, so nett aufgenommen worden zu sein. Klar gibt es Ecken, in denen man sich, gerade als Gringo, weder in der Nacht noch am Tage aufhalten sollte, doch wir lernten, dank unseres einheimischen Freundes, nur nette Menschen kennen und machten nicht einmal eine schlechte Erfahrung.

In einer der vielen Kneipen und Bars bekamen wir unverhofft mit den Worten “Welcome to Tijuana!” ( Wilkommen in Tijuana.) einen Joint geschenkt. Nun konnte auch Dirk sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass wir mit dem Verlassen der Vereinigten Staaten von Amerika in eine neue Welt eingetaucht waren. Die komplette Infrastruktur befindet sich auf einem anderen Level, man beobachtet deutlich mehr Armut und der Lebensstil ist ein anderer.

Um vor unserer Weiterreise in den Süden alle Formalitäten erledigt zu haben, setzten wir uns noch einmal in die Brezel und fuhren in die USA. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht! Genau null mal sind wir während der 20 Tausend zurückgelegten Kilometer in den USA und Kanada von unserem Freund und Helfer angehalten worden, doch kaum 500 Meter in Mexico unterwegs, klebte schon ein Cop auf seinem Motorrad an unserer Stossstange. Er wollte die Papiere sehen, machte sich wichtige Notizen, führte ein noch wichtiger aussehendes Gespräch über sein Mobiltelefon und teilte uns dann mit, uns einen Strafzettel schreiben zu müssen. Der Grund, nun haltet euch gut fest, im Erfinden von Straftaten scheinen mexikanische Polizisten die Könige zu sein: Erstens seien wir in der Stadt 40 Stundenkilometer anstelle der vorgeschriebenen 40 Meilen pro Stunde gefahren; ja, ja, ihr habt richtig gehört, wir sind zu langsam gewesen und zweitens hielten wir uns anscheinend zu lange in der Carpool Lane auf und diese sei nur für Fahrzeuge mit drei oder mehr Personen gedacht. Findet ihr nicht auch, dass sich die korrupten Polizisten heutzutage keine Mühe mehr geben, ahnungslosen Touristen die Börse zu erleichtern. Gut, dass uns da nur wenige Tage zuvor nochmals eine e-mail unserer Freunde in die Hand gefallen war. Christine und Welf www.welfreise.com reisen die gleiche Route wie wir, nur sind sie wesentlich schneller unterwegs. Somit halten sie uns immer mit wichtigen und sehr nützlichen Infos auf dem Laufenden.

Vielen Dank an Christine und Welf, mit eurer Hilfe lernten wir unsere erste Lektion.

Regel Nummer eins: Immer schön freundlich und respektvoll bleiben. Wir erzählten dem Officer, nicht ein einziges Schild gesehen zu haben, entschuldigten uns und sagten ihm, dass wir es vorziehen würden nicht zu zahlen ( es wurde nicht einmal über die Höhe des Tickets gesprochen). Er bot uns daraufhin an, die Summe direkt bei ihm zu bezahlen oder ihm zur Wache folgen zu können. Wir zogen letztere Variante vor, worauf er anfing herumzudrucksen und uns noch mehrere Male auf unsere Optionen hinwies. So nun folgt Regel Nummer zwei, nicht ohne die erste Regel außer Acht zu lassen. Bringt die Botschaft ins Spiel! Dirk erzählte dem Cop nochmals Rücksprache mit der deutschen Botschaft halten zu wollen. Der Polizist wechselte plötzlich das Thema, stellte uns ein paar Fragen und gab uns, so wie er es ausdrückte, “eine zweite Chance”. Es hatte tatsächlich funktioniert; genau solch eine Situation hatten uns unsere Freunde in der e-mail geschildert. Sie erzählten uns auch, das es ein Abkommen zwischen Deutschland und Mexico gibt, das besagt, dass deutsche Touristen für leichte Verkehrsdelikte, wie bei Rot über eine Ampel fahren oder zum Beispiel für zu langsames Fahren, nicht strafrechtlich belangt werden dürfen/ können. So etwas muss man erst einmal wissen.

Einen herzlichen Dank an den netten Polizisten, der uns auf die Probe stellte.

Sehr erleichtert und froh darüber, unsere erste Begegnung mit korrupten Beamten gemeistert zu haben, quälten wir uns durch das verwirrende Strassennetz bis zur Grenze. Die Schlange, um in die USA zu gelangen, ist verdammt lang, wie gesagt, dies ist die Grenze mit den meisten Überschreitungen. Für Unterhaltung, während der Wartezeit, ist auf jedenfall gesorgt, Souvenierhöker, Menschen, die mexicanisches Fastfood an den Mann oder die Frau bringen wollen und Bedürftige, die um eine Spende bitten, alle treffen sie sich hier und laufen zwischen den Blechschlangen auf und ab.

Bei unserer Wiedereinreise nach Mexico, ließen wir unseren Einreisenachweiss, den I-94, auf amerikanischer Seite und besorgten uns anschließend eine Touristenkarte für Mexico und für die Erbse eine temporäre Einfuhrerlaubnis. Am Ende des Tages waren auch diese Formalitäten erledigt und wir bereit für eine weitere Partynacht mit unserem Gastgeber.

Muchas Gracias a Irak, Ilja, Lethie, Tranqui y Bodoke por su hospitaje. Sus "ichos" Torsten y Dirk.

Am folgenden Tag verabschiedeten wir uns von unseren liebgewonnenen Freunden, die uns bereits als Familienmitglieder aufgenommen haben, setzten uns wohlgenährt in die Erbse und genossen auf unseren Weg in den Süden die Sonne und die wunderschöne Küste. In Ensenada, der Schwesterstadt Tijuanas, quartierten wir uns auf einem RV Park ein und erkundeten, auf der Suche nach Nahrung, die Stadt.

Nur so am Rande, seitdem wir die USA verlassen haben, wird unser Campingkocher nur noch gelegentlich zur Bereitung von Kaffee angefeuert; es ist schlichtweg günstiger in Restaurants und Taquerias zu essen und außerdem möchten wir ja auch nicht auf lokale Köstlichkeiten verzichten. Was wir nicht wußten, wir waren genau an dem Wochenende in Ensenada gestrandet, an dem hier der Ausnahmezustand herrschte. Karneval, Kamelle und Narren; tagsüber konnte man sich an einer bunten Parade erfreuen und abends mit einer gewaltigen Menge spaßhabender, junger Mexicaner/innen, zu Livemusik, die Hüften kreisen lassen. Das können die hier ganz gut! Es gab mehrere Bühnen, die Strassen der Innenstadt sind abgesperrt gewesen und mit vergnügungssüchtigen Menschen vollgestopft.

Was wir später noch aus erster Hand erfahren sollten, uns jedoch selber sehr schnell auffiel; Mexico ist nicht nur ein Land der Machos und Cowboys, Mexico, besonders die größeren Städte des Landes, sind sehr liberal und freundlich gegenüber gleichgeschlechtlich orientierten Menschen. Die Anzahl junger Schwuler und Lesben ist hier erstaunlich hoch.

Bei einem Abendessen im ”Mi Kaza” beschlossen wir, uns die Karnevalsparade des nächsten Tages anzuschauen und anschliessend zu entscheiden, ob es weiter gehen sollte oder wir eine weitere Nacht verweilen. Am Morgen danach, unser Zelt war bereits wieder verstaut, gönnten wir uns ein leckeres Frühstück in unserem Stammrestaurant. Als wir den Klapprechner aufbauten, kamen wir mit Less, dem Eigentümer des Ladens, einem US Amerikaner, ins Gespräch. Die Zeit verrann nur so, essen, quatschen, mit den Lieben quatschen, ... . Kurze Rede, langer Sinn, wir blieben eine weitere Nacht, Less und sein Partner Pablo luden uns dazu ein, im Wohnzimmer ihrer Wohnung unsere Schlafmatten auszurollen. Zuvor aber brachten sie uns in den Genuss einer anderen Art. Tommy und Laura, die Eigentümer eines kleinen Sushiladens änderten komplett unsere Meinung über rohen Fisch und Reis. Es ist köstlich gewesen, ein Genuss für sämtliche Sinne. Tommy bereitete alles frisch vor unseren Augen zu, während uns, auf der anderen Seite des Tresens, das Wasser im Munde zusammenlief. Es hatte etwas sehr beruhigendes ihm bei der”Arbeit” zuzuschauen.

Ein grosses Dankeschön an Laura und Tommy für diesen Hochgenuss.

Die Überraschung hielt an, kaum den ersten Fuß in Less Wohnung gesetzt, fielen uns beinahe die Augen aus. Die Bude ist riesig gewesen, alleine das Wohnzimmer, Dirks und meine letzte Wohnung hätten nicht nur in der Fläche zusammen hineingepasst, sondern auch in die Höhe gestapelt. Bei Rotwein und kleinen Knabbereien saßen wir vier auf dem Balkon der Villa, genossen den Blick über die Bucht und philosophierten über das Leben und die Liebe. Eben noch auf dem vernachlässigten Campingplatz am Rande der Stadt, teilten wir nun unsere Zeit mit zwei wunderbaren Fremden und betteten unsere müden Körper auf einem für uns hergerichteten Bett, in einem Raum, so groß wie ein Festsaal. Am Morgen frühstückten wir mit Less und Pablo, verabschiedeten uns von den beiden und setzten uns nach drei Nächten Ensenada wieder in Bewegung.

Hey Pablo and Lesley, thank you very much for having a great time with you guys!

Um es einmal festzuhalten, wir bewegen uns hier im mexicanischen Winter, es ist Ende Februar, wir haben circa 30 Grad Celcius und die Sonne schien bisher täglich. Da fragen wir uns, wie man das bloß im Sommer aushält; hatte unser kleines Gurkenabenteuer doch etwas Gutes, im Juli/ August wären wir hier unten zerflossen. Wir passierten eine bizarre Kakteenwüste und warfen eines Abends schließlich in einem Ort mit dem Namen Guerrero Negro den Anker, die erste größere Menschenansiedlung seit Ensenada. Der Ort ist nicht wirklich sehenswert, wären da nicht die Grauwale. Der einzig vorhandene RV Park war häßlich wie die Nacht, am Morgen unternahmen wir eine der Walflüsterer-Touren und lernten dabei Pierre aus Frankreich kennen. Pierre hatte so einige haarsträubende Abenteuergeschichten seiner bisherigen Reisen auf Lager, von ihnen sollten wir später noch mehr zu hören bekommen.

Mit kleinen 12 Mann/ Frau Motorbooten fuhren wir entlang der Küste, vorbei an kolumbianischen Kokskähnen, bis wir schließlich von Walfluken umzingelt wurden. Wir hatten das Glück, auf ein neugieriges Muttertier samt Neugeborenen zu treffen. Diese Plankton fressenden Riesen schienen die Aufmerksamkeit der staunenden Meute sichtlich zu genießen. Nachdem sie genug von uns hatten, ging es mit Highspeed zurück aufs Festland. Wir verabschiedeten uns von Pierre und düsten weiter in den Süden. Auf der nächtlichen Suche nach einem Zeltplatz fanden wir eine zwischen Palmen gelegene Oase in der Nähe des Ortes Loreto, an der Ostküste der Baja gelegen. Doch diesesmal blieb unsere „Villa Wiese“ im Wagen, wir schliefen unter einer „Palapa“. Eine „Palapa“ ist ein, meist mit Palmblättern gedecktes Dach auf Stelzen. Das, in dem wir die Nacht verbrachten, war für grosse RVs zugeschnitten. ( RV: Recreation Vehicel = riesige, mehrstöckige, mit ausklappbaren Erkern versehene Einfamilienhäuser auf Rädern, die oft mit einem ausgewachsenen SUV (SUV: SportsUtilityVehicle = spritfressender Möchtegernjeep) im Schlepptau, von älteren us-amerikanischen Rentnern, die aussehen wie Hans Maulwurf aus den Simpsons, highwayblockierend durch die Lande manövriert werden) Wer den Satz beim ersten Mal Lesen verstanden hat, darf sich jetzt 'nen Keks holen.

Bei unserer erneuten Nahrungssuche trafen wir auf Mema aus Argetinien und Hugo aus Frankreich, die zwei sind, genau wie wir, in einem Käfer unterwegs und zwar von Argetinien nach Kalifornien. Unsere Wellenlängen stimmten auf Anhieb überein, bei einem Essen tauschten wir Gedanken, Tips, Reiseführer und Kartenmaterial aus und fuhren anschließend zu einem der wunderschönen, im Süden von Mulegé gelegenen Strände, um dort unser Lager zu errichten. Genau so hatten wir uns immer das Campieren auf der Baja vorgestellt, der Blick aufs Wasser und die Füße im Sand. Bei einem Lagerfeuer und selbstgemachter Pasta quatschten wir bis tief in die Nacht und ließen uns von den beiden davon überzeugen, auf unserem Weg in den Süden einen Stop in Kolumbien einzulegen. Ihre Geschichten über in Volkswagen vernarrte Drogenbosse und das in der Dunkelheit leuchtende Plankton hielten uns in dieser Nacht lange Zeit wach. Ein perfekter Tag und eine ebensolche Nacht; das Leben hatte uns wieder voll und ganz erwischt.

Hey Mema, hey Hugo, thank you guys for that wonderfull day, your tips and your company. Like Dirk said: “Now we have prooved the existance of parallel-universes!”

Mehrere Tage später erhielten wir eine Nachricht der beiden; sie haben bei einem Essen in Ensenada Less kennengelernt. Ist die Welt nicht verdammt klein?!

Die Erbse und wir wurden bei einer kleinen Exkursion zu der alten, von der Hauptstrasse ca. 30 Kilometer entfernt liegenden Mission Javier de San Francisco, auf die Probe gestellt. Solche Straßen waren uns bisher noch nicht vor die Augen und der Brezel nicht unter die Räder gekommen. Ein Auf und Ab und Hin und Her, entlang senkrecht abfallender Schluchten und über Stock und Stein. Pro Strecke benötigten wir gute zweieinhalb Stunden, ständig wechselnd zwischen erstem und zweitem Gang. Hochgerechnet auf 100 Kilometer stieg der Verbrauch von circa 8 Liter Benzin auf 14 Liter an.

Unser nächstes Ziel hieß La Paz, um unsere ohnehin schon geringen Übernachtungskosten einzusparen, schlugen wir unser Zelt an einem der Strände auf; zwischen sich ganz doll liebhabenden Pärchen und zu Elton John singenden, verkappten Superstars, die uns in den Schlaf bzw. die Bewusstlosigkeit sangen.

Unser Plan, ja da ist es mal wieder, das Wort mit den vier Buchstaben, einen Loop von La Paz nach Cabo San Lucas, der südlichste Ort der Baja und zurück zu unternehmen, schmissen wir ganz schnell über den Haufen, als wir beim Einholen von Fährinfos ( La Paz nach Topolobampo), unseren Freund und Kupferstecher Pierre wiedertrafen. Seit unserer Verabschiedung in Guerrero Negro waren mehrere Tage vergangen. Nun sahen wir uns mit grosser Freude wieder. Er erzählte uns vom touristenbesetzten Cabo San Lucas, was uns dazu veranlasste, das Geld für den Sprit lieber in die Fährfahrt zu investieren und uns spontan Tickets für die Überfahrt zu kaufen. Die verbleibenden Stunden nutzten wir für ein Bad und ein Frühstück, wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann. Pierre lotste uns zu einem der wunderschön ruhig gelegenen Strände, wir nahmen ein erfrischendes Bad in der „Sea of Cortez“ ( unser erstes Salzwasserbad seit dem Entern des amerikanischen Kontinents) und ließen uns hinterher, zu Abenteuergeschichten, unter Palmwedel im Sand sitzend, Pierres Käse-Bacon-Eieromlette auf der Zunge zergehen. Ja und schon wieder hieß es: „Willkommen im Leben.“

Die achtstündige Fährfahrt zum mexicanischen Festland verlief unspektakulär. Spät am Abend erreichten wir Topolobampo und fuhren weiter bis in den Ort Los Mochis. Wir fanden ein nettes sauberes Hotel, in dem wir drei uns ein Zimmer teilen. Nicht, dass Dirk und ich uns nun auch immer öfter in Restaurants und Taquerias sehen lassen, wir verbringen auch schon mal eine Nacht im Hotel; der Grund sind die für uns sehr niedrigen Preise. Für das saubere und neuwertige Zimmer mit eigener Dusche bezahlte jeder von uns 115 Pesos, das sind rund 6 Euro.

Die Nacht war verdammt kurz, um fünf Uhr und dreißig klingelte der Wecker, wir fuhren zum Bahnhof und informierten uns über die Fahrpreise, um zum rund 300 Kilometer entfernten Ort Creel zu kommen. Um den Ort mit dem eigenen Auto zu erreichen und von dort dann die „Barrancas del Cobre“ (den Kupfer Canyon) zu erkunden, müßte man einen gewaltig großen Bogen fahren. Um diesem Umweg zu entgehen, setzt man sich für rund 12 Stunden in den Zug namens „Chepe“ und geniesst bei einer durchschnittlichen Langsamkeit von 15 bis zu atemberaubenden 20 Kilometern in der Stunde, die teilweise wunderschöne, bizarre Landschaft.

Laut Reiseführer, dem wir schon lange nicht mehr über den Weg trauen, ist es möglich, den Wagen auf den Zug zu verladen und mitzunehmen. Naja, wie gesagt, der Reiseführer ist das Eine, die Realität das Andere. Wir erhielten die Auskunft, das dieser Service schon lange nicht mehr möglich sei. Diese Tatsache änderte erneut unsere Pläne, wir packten uns das Notwendigste in einen Rucksack, ließen die Erbse auf dem anscheinend bewachten Parkplatz zurück und setzten uns in den Chepe. Ist ja gar nicht so wild, für über zehn Stunden in einem Zug zu sitzen, wenn man jedoch aus dem Fenster sieht und dabei bemerkt, dass man sich so langsam fortbewegt, das selbst ein Zweijähriger auf seinem Dreirad bequem mithalten könnte und das sogar mit vier platten Reifen, dann kann es nach den ersten 6 Stunden schon etwas ermüdend werden. Gut, das Pierre 'ne Menge spannender Geschichten auf Lager hatte und wir unsere Mitreisenden Lolita , ihre Tochter Lucy und deren Freundinnen kennenlernten. Diese lustige, vieröpfige Frauentruppe war auf ihrem Heimweg nach Creel, nachdem sie eine Woche auf einem Christenkongress zugebracht hatten. Mexicaner sind sehr religiös und Familie steht bei ihnen an erster Stelle. Selten haben wir soviel gelacht, so gut es ging verständigten wir uns mit Händen und Füßen und einigen Brocken Spanisch, das war wohl einer der Gründe, dass die Truppe ständig am Grinsen und Kichern gewesen ist.

Irgendwann, nach gefühlten zweieinhalb Wochen, erreichten wir das langersehnte Creel. Luci lud uns drei dazu ein, in ihrem Haus zu übernachten, wir nahmen jedoch das Hotel, dass sie uns empfahl und verabredeten uns auf ein Wiedersehen am folgenden Tag.

Nach einer erholsamen Nacht machte sich das deutsch- französische Team auf den Weg zu den, in der Nähe liegenden, Hotsprings (heisse Quellen). Wir bekamen die verschiedensten Informationen. Es hieß, man könne einen Bus nehmen und würde nach einem einstündigen Fußmarsch die Ouellen erreichen. Naja, Informationen, die man hier in Mexico bekommt, sind nicht immer die sichersten. Bei der Nachfrage nach der Abfahrtszeit des Chepes bekamen wir drei oder vier verschiedene Zeiten; am besten ist es, man hat keine Termine und nimmt sich gaaanz viel Zeit. Der Bus spuckte uns nach einer zehnminütigen Fahrt aus, nachdem er sich wieder in Bewegung setzte, sahen wir das Schild, auf dem zu lesen war, das es schlappe 11 Kilometer zu den Quellen sei. Wir wussten, dass uns nur wenige Stunden blieben, um den letzten Bus zurück ins Dorf zu erwischen. Keine zehn Minuten Fußmarsch vergingen, bis der erste und auch einzige Wagen an diesem Tag vorbeikam und auch anhielt. Es waren die Italiener, denen wir bereits bei der Mission das erste Mal über den Weg gelaufen sind. Waren wir doch froh, von ihnen mitgenommen zu werden, denn der verbleibende einstündige Fussmarsch ist noch anstrengend genug gewesen. Um so mehr genossen wir hinterher das Bad im 38 Grad Celcius warmen Wasser. Zurück in Creel befriedigten wir unseren Hunger und machten uns anschließend auf die Suche nach Lucy. Nach zwei Anläufen und freundlichen Hinweisen Einheimischer, saßen wir bald darauf am Küchentisch und lernten Cholo, Lucy's Mann, Ruth und Yessenia, ihre beiden Töchter und deren Freund Froylan kennen.

Wir haben seit der Einreise eine Menge bedürftiger Menschen gesehen, Lucy und ihre Familie leben für unsere westlichen Verhältnisse ein sehr einfaches Leben. Ich spreche hier wohl auch für Dirk und Pierre, wenn ich sage, das ich mich selten bei fremden Menschen so wohl und gut aufgehoben fühlte. Alle zusammen haben wir soviel gelacht! Das, was wir dort erleben durften, ist pure Menschlichkeit gewesen, von ihrer schönsten Seite. Der eindeutige Höhepunkt unserer Reise nach Creel.

Wir schäkerten herum, ich sollte mit der dreizehnjährigen Yessenia "verkuppelt" werden, tauschten Kulturunterschiede aus und tranken Tee und Kaffee. Wir erklärten Froylan das sein Name im Deutschen wie Fräulein klingt und er somit Senorita heißt, daraufhin bekam ich den Spitznamen Tortilla. Mit offenen Mündern hörten wir uns Cholos Geschichte an; Cholo sitzt im Rollstuhl, aufgrund seiner Diabetis mussten ihne beide Unterschenkel amputiert werden. Er arbeitete zuvor für mehere Jahre in den USA, schickte seinen Verdienst zu seiner Familie nach Mexico; seine Geschwister besaßen bereits eine Greencard für die USA, hätte auch Cholo eine bekommen, wäre ihm in den USA geholfen worden, doch so musste er unbehandelt nach Mexico zurück . Wenn man so etwas zu hören bekommt und gleichzeitig am Küchentisch sitzt und von den Menschen, deren Monats- unter unserem Tagesverdienst liegt, so herzlich und nett aufgenommen wird, dann fällt es einem schwer, den aufkommenden Hass und die Schuldgefühle zu unterdrücken. Man fängt an, sich zu fragen, wo auf diesem Planeten, den wir alle teilen, die Humanität geblieben ist, dreht sich denn alles nur noch um das Kapital? Schon jetzt wissen wir, dass dies erst der Anfang ist, wir werden noch Dinge zu sehen bekommen und mit Situationen konfrontiert werden, die uns die Tränen in die Augen treiben werden. Cholos Diabetis ist weit fortgeschritten, er bekommt bereits Probleme mit seinen Augen.

Mit gemischten Gefühlen, doch sehr froh darüber, solch nette Menschen kennengelernt zu haben, verabschiedeten wir uns mit dem Wunsch, sie nochmals wiedersehen zu können.

Am Tag unserer Abreise aus Creel freuten wir uns sehr, zu sehen, dass „Senorita“ uns für eine Weile begleiten würde, er war auf dem Weg zu seiner Tante. Gerade aufgrund der starken Verständigungsprobleme hatten wir eine Menge zu lachen.

Muchas Gracias a Lucy, Cholo, Ruth, Yessenia, Froylan y Lolita. El tiempo con ustedes estaba muy marivilloso.

In Los Mochis angekommen, teilten wir uns zum vorerst letzten Mal ein Hotelzimmer mit Pierre (und leider auch einigen Kakerlaken), genossen ein gemeinsames Frühstück und verabschiedeten uns nun auch von unserem liebgewonnenen Pierre.

Pierre: Nous espérons de te revoir un jour, c'était un plaisir pour nous de partager une pièce de vie avec toi. Tu es un vrai ami!!!

Nun sitzen Dirk und ich hier auf zwei Metern des 20 Kilometer langen Strandes in Mazatlan, versuchen euch mit dem achten Reisebericht zumindest einen Teil unserer Reise nahe zu bringen und genießen ganz nebenbei das Hier und Jetzt.

Mexico unterscheidet sich deutlich von all den bisher gesehenen Ländern, das Durchschnittseinkommen ist hier sehr gering, es gibt viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Doch was uns sehr auffällt, die Menschen sind sehr nett und hilfsbereit, nicht ein einziges Mal haben wir bisher eine negative Erfahrung gemacht, wurde uns doch so viel Schlechtes über Mexico erzählt. Das Eine ist das, was man zu hören bekommt, das Andere, was man selbst erlebt und genau wegen dieser Erfahrungen sind wir auf der Reise.

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