Heini aus Mexico und der Kaiser von China.

11.03.2009 - 15.05.2009

Hallo Freunde der Sonne, bevor es diesmal ans ´ Eingemachte geht und wir Euch von unseren Erlebnissen der letzten Wochen erzählen, gibt es eine Sache, die wir gerne loswerden würden. Habt Ihr genügend Zeit mitgebracht? Ich werde etwas weiter ausholen.

Jeder, der unsere Reise bisher verfolgt hat, weiß, dass wir die USA, die westliche, industrielle Welt verlassen haben und uns in Richtung Süden fortbewegen. Wir befinden uns in einem völlig anderen Abschnitt der Reise. Das so genannte “Nord-Südgefälle”, von dem wir damals alle etwas in der Schule gehört haben, existiert nicht nur als bunte Grafik in irgendwelchen Büchern. Wir erleben es zur Zeit live, atmen die selbe Luft wie die Menschen, denen wir in den "Armuts- und Reichtums- Darstellungen " gegenüber stehen und genießen ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Auf dem Weg zu einer der Naturschönheiten Guatemalas, passierten wir eine recht unwegsame Piste durchs tropisch bewachsene Hinterland. Hier und dort hielten wir bei staunenden Kindern, die aufgeregt und neugierig aus ihren Holzhütten auf uns zu gerannt kamen. Ein Erlebnis wird uns auf Ewigkeit in unserer Erinnerung bleiben. Eine Gruppe von Kindern, die interessiert vor unserem Seitenfenster stand, bat um eine Kleinigkeit, ein Geschenk, eine Süßigkeit. Wir gaben ihnen einen kleinen Schaumstoff- Käfer, den wir seit Alaska mit uns führten und ein “Ernie und Bert- Prudhoe Bay- Spring“ -Foto. Die Freude ist sichtlich vorhanden gewesen. Nachdem wir ein Okay erhielten, machten wir auch ein paar Aufnahmen der Kinder. Als ich anschließend die Kamera zu ihnen drehte, so dass sie sich in dem kleinen Monitor selbst sehen konnten, schrieen sie vor Verwunderung auf , hielten sich die Hände vor den Mund und konnten kaum glauben was sie soeben sahen. Anscheinend hatten sie sich noch nie selbst auf einem Foto gesehen oder konnten es einfach nicht begreifen wie "sie" in diesen kleinen silbernen Kasten gekommen sind. Diese unerwartete Reaktion der Kinder versetzte mir eine Gänsehaut und schwirrte ständig durch meinen Kopf, als ich zwei Tage später im Flieger saß, um noch einmal meine Freunde in Seattle, mit einem unerwarteten Besuch, zu überraschen. Hier im Flugzeug, zwischen all den reichen Menschen der so genannten "westlichen Welt", denen alle Türen offen stehen, wurde mir der Unterschied zwischen Armut und Reichtum erst richtig bewusst. Ich befand mich wieder in einer, für die Kinder aus dem Dschungel, völlig unvorstellbaren Welt.

Beim Gedanken an diese enorme Freiheit, die wir besitzen, die Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen und dem Privileg, selbst über unser Leben entscheiden zu können, bin ich einige Male den Tränen nahe gewesen. Zum Einen vor Freude darüber, all diese Privilegien zu besitzen und zum Anderen aufgrund der Tatsache, das dem größten Teil der Menschheit, diese Optionen nicht offen stehen.

Hier in Seattle angekommen, stand ich bei meinem ersten Supermarkt- Besuch, wie ein kleines Kind, überwältigt von dem riesigen Warenangebot, mit offenem Mund , vor den prall gefüllten Regalen. Ich konnte es nicht fassen wie selbstverständlich die Leute durch diese Konsumlandschaft schlenderten und ihre Einkaufswagen füllten.

Einen Tag später bin ich durch Zufall in eine Präsentation über Population und Umwelt an der Uni Seattle gerutscht. Das Projekt wurde von einer US- Amerikanerin und einem jungen Mexikaner geleitet, mit dem ich mich im Anschluss unterhielt. Es ist sehr inspirierend und bestätigend gewesen. Ein richtiger und sehr wichtiger Lösungsansatz für die Gleichstellung aller Menschen dieses Planeten, den wir alle miteinander teilen, ob reich oder arm, ist die Hilfe zur Selbsthilfe und die fängt bei der Ausbildung junger Menschen an. Eine gute Bildung öffnet Türen und Möglichkeiten zur Selbsthilfe.

Dirk und ich haben beschlossen, unsere, durch die Reise, gewonnene Öffentlichkeit zu nutzen. Denn wir haben, wie jeder von uns, die Möglichkeit etwas zu tun und zu bewirken. Unsere Internetseite, die Reisetagebucheinträge in Form von Fotografien und Texten und vor allem Ihr, denen wir versuchen all diese Eindrücke näher zu bringen, könnt dabei helfen etwas zu verändern. Wir wissen selbst, das es etwas anderes ist, darüber zu lesen oder einen Fernsehspot Unicefs zu sehen; Kinder mit Wasserbäuchen, die mit ihren glasigen Augen in die Kamera schauen. Distanz lässt einen schnell vergessen, unangenehme Dinge noch schneller als angenehme. Doch hierbei handelt es sich leider nicht um ein Drehbuch, da steckt nicht die Filmindustrie Hollywoods hinter. Das ist das wahre Leben! In unserer westlichen Welt ist es einfach, diese Tatsachen auszublenden, den Kanal zu wechseln, doch wir befinden uns im Moment mittendrin, bekommen die Armut täglich vor Augen gehalten. Es gibt für uns nur den einen Kanal und der ist erschreckend real.

Wir werden mit Hilfe einiger Freunde, hier in Zentral- und Südamerika, versuchen, eine Organisation zu finden, die sich um die Ausbildung junger Menschen kümmert. Jeder sollte die selben Möglichkeiten besitzen. Wir können nur versuchen, jeden einzelnen von Euch dazu zu ermutigen, sich selbst einmal die Welt anzuschauen, es öffnet einem die Augen. Bitte helft uns, auch anderen Menschen, die Möglichkeiten zu schaffen, die für uns selbstverständlich sind.

So, wir hoffen, Ihr seid noch dabei, berichten wir nun also über die letzen Wochen unserer Reise. Während unserer Arbeit am vorherigen Reisebericht schlich sich so etwas wie ein Arbeitsalltag ein. Von unserem Domizil, dem Hotel im Stadtteil "Alt- Mazatlan", fuhren wir morgendlich zum Hotel "Ramada" im Touristenzentrum, um uns dort bei einem Frühstück zu kräftigen und anschließend die Feder übers Papier und den Curser über den Bildschirm fliegen zu lassen. Dieses Programm zog sich täglich über mehrere Stunden und das Ganze über mehrere Tage hin. Bei den Parkwächtern sind die Jungs mit dem grünen Käfer schnell bekannt gewesen und die Kellner lasen uns unsere Frühstückswünsche bald von den Augen ab.

Nach all den Tagen der "Arbeit" sind wir beide sehr froh gewesen den achten Reisetagebucheintrag endlich online stellen zu können und uns wieder dem aktiven Leben außerhalb des Hotels zu widmen.

Gleich um die Ecke lernten wir "TacoTito" und seine Crew kennen, eine liebenswerte und nette Truppe. Hier in Mexiko findet man an jeder Straßenecke kleine, mobile Küchen, die einem das Überleben, auch nach einer langen, durchzechten Kneipennacht, bis in die frühen Morgenstunden sicherstellen. Im Vergleich zu Mäck Dreck, Bürger Würger und Co eine sehr leckere und wesentlich persönlichere Art und Weise seinen Hunger in den Griff zu bekommen. An solch einem Stand sind gleich mehrere Generationen vertreten um den Kunden glücklich zu machen. Von der Großmutter bis zum dreijährigen Enkel. Wir genossen köstliche, selbst gemachte Leckereien und tauschten kulturelle Unterschiede aus. Muchas Gracias a Anna, Raul, Nestor y Tito de la Taqueria "LosPelones" por la noche muy divertida.

Das "Centro Historico" Mazatlans gefiel uns sehr gut. Kleine Gassen mit alten, farbenfrohen Kolonialgebäuden und wunderschön begrünte und belebte "Plazas", auf denen man uns oft bei einem Frühstück oder Abendessen antreffen konnte. Wir lernten Irma und Pedro kennen, die uns auf einen Drink einluden und trafen Less und Pablo wieder. Erinnert Ihr Euch noch an sie? Die Beiden, die wir in Ensenada kennen gelernt hatten, in deren "Palast", über den Dächern der Stadt, wir Unterschlupf fanden. Pablo lud uns damals in Ensenada dazu ein, ihn in seiner Heimatstadt Mazatlan zu besuchen. Wie gesagt, so getan. Einige Stunden später sahen wir nicht nur Pablo wieder, sondern auch seinen Freund Less. Welch eine Überraschung, hätten wir doch nie damit gerechnet, ihn so schnell wieder vor die Augen zu bekommen. Nach einem gemeinsamen Abendessen, fuhren wir gemeinsam zu Pablos Wohnung, um dort mit seinen Freunden seinen Abschied zu feiern. Less ist nämlich hier gewesen um Pablo abzuholen, am nächsten Morgen sollte es auf eigener Achse in Richtung Ensenada gehen. Wir trafen erneut auf eine Menge interessanter und hilfsbereiter Menschen und hatten eine verdammt gute Zeit.

Auch für uns hieß es nun Abschied nehmen; unser nächstes Etappenziel hieß San Blas, im Süden Mazatlans. Eigentlich gibt es nicht viel über diesen Ort zu berichten, wir fühlten uns nicht so richtig wohl, fanden glücklicherweise eine saubere und günstige Unterkunft und führten etwas Smalltalk mit dem, aus New York stammenden, Besitzer einer der Kneipen des Ortes. Das sollte es auch schon über San Blas gewesen sein. Ein wesentlich besseres Feeling hatten wir in der Stadt Guadalajara, hier verweilten wir gleich mehrere Tage, genossen das "Centro Historico", die Sonne und lernten bei nächtlichen Expeditionen schnell nette Einheimische kennen. Doch es gab tatsächlich mal wieder so etwas wie einen Termin, den es einzuhalten galt. Ray, einer unserer Freunde aus dem "Big House" in Seattle, in dem ich bereits mehrere Male Unterschlupf fand, stand bereits in den Startlöchern. Er kam uns hier in Mexico Ciudad für eine Woche besuchen. Doch ersteinmal mussten wir es selber bis zu unserer Unterkunft in der 20 Millionen Seelen- Stadt (entspricht zirka der Einwohnerzahl ganz Australiens) schaffen und das am liebsten lebendig und an einem Stück. Gar kein so leichtes Unterfangen!

Glücklicherweise trafen wir uns weit vor den Stadtmauern dieser Megametropole mit Heini, der uns, bestens präpariert und wie selbstverständlich begrüßte, uns ein Mobiltelefon in die Hand drückte und dann vorweg fuhr.

Heini aus Mexiko, so hatte er sich Anfang des Jahres 2008, noch lange vor unserem Aufbruch aus Deutschland, vorgestellt. Damals, wir steckten mitten in den Vorbereitungen unserer Kaffeefahrt, klingelte Dirks Handy. Ja, ich weiß, das kommt schon mal vor, ist Euch bestimmt auch schon das ein oder andere Mal passiert. Doch als Dirk den Anruf entgegennahm, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung: "Hallo, hier ist Heini aus Mexiko!" Worauf Heini erst einmal zu hören bekam:" Ja klar doch und hier ist der Kaiser von China!" Verständlich, das Dirk im ersten Moment dachte es handle sich um einen Scherz. Ein akzentfrei deutsch sprechender Heini aus Mexiko, der sich auf Eurem Mobiltelefon meldet, na wie oft ist so etwas schon vorgekommen? Wie sich dann im Laufe des Gespräches herausstellte ist Heini (Enrique) deutscher Abstammung, jedoch in Mexiko geboren und aufgewachsen. Da auch er eine Vorliebe für alte Volkswagen besitzt und Mitglied des größten VW- Clubs Mexikos ist, stolperte er damals (2008), über eine kleine Anzeige in dem Clubheft eines deutschen VW- Vereins, dem er ebenfalls angehört.

Was liegt da näher, als einfach mal durchzuklingeln und zwei Spacken aus Deutschland, die man nicht kennt, seine Hilfe anzubieten? Habe ich schon mal erwähnt, dass Dirk und ich ganz schön kräftig von der Sonne geküsst sind und ständig werden?!

Zu "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" von Hans Albers, stürzten wir uns mit Gänsehaut, unter der Anleitung von Heini, ins Blechgetümmel der Großstadt. Gerade als Beifahrer eine eher aufregende Lebenserfahrung, "schön" das wir uns mitten im Feierabendverkehr befanden, so erhielten wir wenigstens die volle Dosis Adrenalin. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, so viele Tode bin ich gestorben. Wir freuten uns schon auf einen Wäschewechsel im Hotel, es sind unsere Schweißdrüsen, nicht unsere Blasen gewesen, die es an diesem Tag besonders gut meinten.

Hier nur ein paar Fakten, damit ihr Euch annäherungsweise ein Bild machen könnt. Mexiko ist ein lautes Land! Wer sich hier nicht lautstark mitteilen kann, wird untergehen und verschluckt werden, ganz einfach. Vergesst alles was ihr über Straßenverkehrsregeln gelernt habt, legt alle Skrupel, Schüchternheit und Zurückhaltung zur Seite, betätigt wenigstens alle zwei Sekunden für mindestens vier Sekunden die Hupe und macht Euch mit dem Gedanken vertraut, das sich der aktuelle Zustand Eures Autos mit einem lauten Quietschen oder Krachen ganz plötzlich verändern kann. Wer hier die nicht existierenden Regeln befolgt, ist nicht mehr weit von der mexikanischen Staatsbürgerschaft entfernt. Rote Verkehrsampeln- schilder- und regeln; Schnee von gestern! All das ist hier nur als freundlicher Hinweis gedacht, daran halten tut sich eh keiner. Wer hier nicht mitspielt wird gnadenlos zermahlen. Dirk hatte sich erstaunlicherweise recht schnell an den Fahrstil der Mexikaner gewöhnt und spielte mit wie ein Großer. Ab dem Moment nannte ich ihn nur noch El Dirko. Vierspurige Kreisverkehre, wild herum fuchtelnde und pfeifende (fuchteln alleine wäre viel zu leise!) Verkehrspolizisten und Taxifahrer, die mehr Zeit mit dem Beten hinter dem Steuer, als mit dem Befolgen der Regeln verbringen. Alles das erlebt man hautnah, begibt man sich todesmutig in den Straßenverkehr.

Bewegt man sich auf seinen eigenen zwei Beinen und nutzt die Metro um von A nach B zu kommen, so entdeckt man völlig neue Wege und Arten des Genusses. Auch hierbei gilt selbstverständlich wieder das Motto "Lautstärke ist Trumpf".

Straßenläden mit Verkäufern, die lautstark versuchen ihre Waren an den Mann bzw. die Frau zu bringen, Apotheken, die über Lautsprecheranlagen ihre Angebote runterrasseln. Junge, leicht bekleidete Damen, die zu lauter Musik ihre Hüften kreisen lassen, um Hosen, T-Schirts oder Schuhe unters Volk zu bringen und Getränkemärkte, die in der Dämmerung zu ausgewachsenen Diskotheken mutieren, zumindest dem Geräuschpegel entsprechend.

So, begeben wir uns nun, in den nicht minder interessanten, Untergrund, um einen weiteren Höhepunkt des Wohlbefindens zu entdecken. Um alles rausholen zu können, empfehlen wir euch auch hierbei die Rush Hour (17 bis 19 Uhr). Das Gute: die Metro Mexikos ist saugünstig und das Streckennetz ist sehr gut. Für all die Mitleser, denen Körperkontakt mit mehr als einer (fremden) Person (zur Zeit) kein Fremdwort ist, denen sei die U-Bahn empfohlen. Hier wird geschupst, gedrückt, gedrängelt und gekuschelt. Jede Extremität, die noch irgendwie- und wo hineinpasst, ist ein gerettetes Körperteil. Die Türen schließen erbarmungslos, ob Bein, Arm oder Po. Hin und wieder öffnen sich die Türen nochmals, um dann mit etwas mehr Schwung wie zwei Messerschneiden zu zuschnellen, bis auch das widerspenstigste Körperteil abgequetscht- und getrennt in den dunklen Spalt zwischen U-Bahn Trasse und Warteplattform fällt. Anschließend begibt sich die, mit Menschen gefüllte, Presswurst auf Rädern in den Untergrund der Stadt , um an der nächsten Station die Überlebenden auszuspucken und neue Menschen aufzusaugen. Glaubt nicht, das die Menschen, die in die Bahn möchten darauf warten, dass ihre Mitmenschen aussteigen können. Das ist wie mit dem Hupen im Straßenverkehr, die meisten verstehen nicht, das sich ein Stau nicht mit einer Hupe davon zaubern lässt. So, oder so ähnlich kommt es einem vor, begibt man sich auf Entdeckungstour. Des Öfteren haben wir nur fassungslos da gestanden und das ganze Prozedere aus sicherer Entfernung beobachtet. Dabei boten uns die Fensterausschnitte der U- Bahn Türen immer neue, erschreckend amüsante Ansichten. Ein Wirrwarr aus Körperteilen, das eine Zuordnung zu einzelnen Opfern unmöglich macht. Sollte man mal nicht, von irgendwelchen fremden, nach Platz suchenden, Körperteilen seines Mitleidenden in den Wahnsinn getrieben werden, so wird dieser Part von geschäftstüchtigen Menschen übernommen. Diese versuchen mit einer mobilen, jedoch nicht weniger lautstarken, Beschallungsanlage ausgestattet, teilweise grottenschlechte Musik unters Volk zu bringen, das passiert natürlich nicht ohne dementsprechende Anpreisung. Ist man den einen dann losgeworden und freut sich über sein, noch vorhandenes, Hörvermögen, folgt auch schon der nächste Marktschreier. Ob Taschentücher, gebrannte CDs oder Süßigkeiten, Hauptsache ordentlich Dezibel! Ach ja, selbst im Frühjahr ist es hier schon sehr heiß und die Klimaanlagen in der Metro funktionieren nicht wirklich. Das alles bringt einen nicht um (wir sind ja keine Sissys), macht es aber auch nicht angenehmer, sich einen Kubikmeter U- Bahn mit vier weiteren Menschen zu teilen. Mit unserem Freund Ray aus Seattle erkundeten wir den Stadtpark, besuchten ´ne Menge Museen und amüsierten uns im Nachtleben Mexikos. Wir nahmen an Oldtimertreffen teil und wurden, dank unseres mexikanischen Öffentlichkeitsbeauftragten namens Heini Wanzke, gleich mehrere Male von Presse, Rundfunk und Fernsehen interviewt. Schaut euch den Film mal an. Die Mexikaner zeigten starkes Interesse an unserer Kaffeefahrt und behandelten uns wie Helden. Einer der Beiträge wurde noch während unseres Aufenthaltes in der Hauptstadt gesendet, das führte dazu, das wir von wildfremden Menschen wieder erkannt und um Fotos gebeten wurden. Oft sahen wir nur lächelnde Personen, die uns aus vorbeifahrenden Autos zu winkten. Ein sehr schönes Gefühl!

An einem der Tage fuhren wir mit Heini und einigen Freunden ins Volkswagenwerk nach Puebla, bekamen eine persönliche Werksführung, wurden von VW zum Essen eingeladen und lernten unsere Werksführerin Karla kennen (vielen Dank nochmals an den herzensguten Heini, der all das für uns organisiert hat). Während kleinerer Wartungsarbeiten an dem Käfer lernten wir Alejandro und seine Mannschaft kennen, die uns mit einem neuen Verteiler halfen, der Erbse wieder etwas mehr Pep zu verleihen. Wir wechselten gleichzeitig die vorderen Radbremszylinder und Stoßdämpfer und erledigten die normalen Wartungsarbeiten. Mil Gracias a Alejandro, Sergio, Juan-Carlos, Francisco para ajudarnos mucho.

Insgesamt verbrachten wir beinahe drei Wochen in dieser quirligen Metropole und schafften es sogar an einem der letzten Tage direkt auf dem "Zocalo", dem "Nationalheiligtum" der Mexikaner liegen zubleiben. Die meiste Zeit, während dieser drei Wochen, parkten wir die Brezel sicher und kostenlos auf Heinis Bürogelände und zogen unsere Befriedigung, aus den eben beschriebenen U- Bahn Fahrten. Doch für diesen einen Tag befreiten wir das Gemüse aus ihrem Dornröschenschlaf um einige Aufnahmen im Centro Historico zu schießen. Wir wussten, dass es mal wieder Zeit war, unsere Asphaltblase zu füttern, dachten jedoch, dass... aber wie heißt es so schön, das Denken sollte man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf. Nach mehreren Runden um den Zocalo (zentraler "Marktplatz") hielten wir genau vor der Kathedrale um einen Fahrerwechsel durchzuführen. Als ich den Bock starten wollte, verweigerte er seinen Dienst. Diagnose: Akuter Spritmangel! Der ansonsten immer gefüllte Reservekanister; Fehlanzeige. Mal wieder wurden wir im richtigen Moment von der Sonne geküsst, eigentlich hätte es uns gar nicht besser treffen können. Auf Grund des Spritmangels hatten wir ein gutes Argument uns die ständig anhaltenden Polizisten vom Leib zu halten (hier galt Halteverbot) und Dirk genügend Zeit in aller Ruhe Fotos zu machen. Ich setzte mich samt des Reservekanisters ins nächste Taxi um Treibstoff zu besorgen , Dirk knipste was das Zeug hielt, schüttelte lästige Polizisten ab und beglückte weibliche Teenager, die uns im TV gesehen hatten, mit gemeinsamen Schnappschüssen und Autogrammen. Während meiner Rückfahrt meldete sich Fernanda, mit der wir uns für diesen Abend verabredet hatten. (Fernanda lernten wir während eines VW Treffens kennen, sie ist die Tochter des Clubvorsitzenden) Fernanda und ihre Freundin suchten immer noch nach einem zentralen, leicht erreichbaren Platz um sich mit uns zu treffen, auch sie kannten sich nicht ganz so gut aus. Nichts einfacher als das: "Grüner Käfer auf dem Zocalo, direkt vor der großen Kirche. könnt ihr gar nicht verfehlen!"

Wir füllten den Tank und wollten los, doch Pustekuchen, nun verweigerte die Batterie mal wieder ihren Dienst. Als auch Anschieben nicht den gewünschten Erfolg erzielte, füllten wir etwas Benzin in den Vergaser und erweckten unsere treue Erbse mit Hilfe einiger mitschiebender Passanten zum Leben. Den Rest des Abends genossen wir mit Fernanda und Marianna bei kühlen Getränken und lustigen Unterhaltungen.

Nun hieß es aber auch für uns mal wieder Abschied nehmen. Vollgepackt mit Eindrücken der riesigen Stadt und den netten Menschen, setzten wir unsere Segel nun in Richtung Puebla. Einen ganz lieben Gruß und herzlichen Dank an unseren Freund Heini, seine Familie, seine Freunde und den ganzen VW- Club, die uns so nett empfangen und aufgenommen haben. Eure Gastfreundschaft und Hilfe ist überwältigend gewesen. Menschen wie ihr sind der Grund für uns, gewohnte Wege zu verlassen und positiv, neue Pfade einzuschlagen.

Kurz vor den Toren der Volkswagenstadt meldeten wir uns bei Karla. Sie hatte uns das Werk eine Woche zuvor näher gebracht und uns dazu eingeladen auch die Stadt und deren Nachtleben zu zeigen. Doch bevor es zu einem Treffen kam, sollten wir noch mehrmals die Freude haben, unsere Freunde und Helfer näher kennenzulernen. Beim ersten Mal winkten uns zwei Polizisten von der Straße und verlangten unsere Papiere. Sie wunderten sich über unsere Kopien, stellten einige Fragen, wir erzählten von unserem Trip und bekamen eine schöne Reise gewünscht. Der dritte Polizist auf den wir an diesem Abend stießen reagierte ersteinmal nicht so entspannt als er uns beim verbotenen U- Turn ertappte. An einer Kreuzung zog er auf Höhe der Brezel und forderte uns auf, ihm zu folgen. Als wir auch ihm die Kopie unseres Führerscheins in die Hand drückten, war er alles andere als erfreut. Er forderte das Original, um es bis zur Begleichung unseres Bußgeldes einzubehalten. Wir schindeten etwas Zeit und freuten uns in diesem Moment sehr über den Anruf Karlas. Wir berichteten ihr von unserer misslichen Situation und reichten sie weiter an den "freundlichen" Polizisten in braun. Karla erzählte ihm das Blaue vom Himmel, von einem Kamerateam, das in Kürze eintreffen würde und davon, das sie im Auftrag von Volkswagen Mexiko die Verantwortliche für uns sei. Auf die Frage, ob er denn nicht wüsste, das es sich bei unseren Ausweißkopien um Spezialpapiere handle, erwiederte er ein überzeugtes "Natürlich!", um nicht ganz ahnungslos zu erscheinen. Nachdem das Gespräch beendet wurde, fing er an Fragen über unseren Trip zu stellen und von Strafgeld ist nie wieder die Rede gewesen. Auch er und sein dazustoßender Kollege hatten den Fernsehbeitrag über die beiden deutschen und den Käfer gesehen, dachten jedoch zuerst wir seien Doppelgänger, da Dirk keinen Bart mehr besaß und wir uns die Haare geschnitten hatten. Nun traf auch Karla ein, sie beteiligte sich an unserem kleinen Kaffeeblausch über Heizdecken und Tupperparties und machte Fotos von uns und den Polizisten. Was für ein Empfang! Wir freuten uns sehr Karla wiederzusehen, sie lud uns ein, bei ihr und ihrer Schwester zu übernachten und stürzte sich mit uns ins Nachtleben Pueblas. Das Centro Historico, das wir uns am nächsten Morgen mit viel zu wenig Schlaf anschauten , gefiel uns sehr. Auf Anhieb fühlten wir uns wohl. Muchas Gracias Karla por tu hospitaldad y spontanidad. La noche en la boutiqu era muy divertida!

In Oaxaca, dem nächsten erwähnenswerten Ort unserer Reise verblieben wir gleich mehrere Tage und bestanden zugleich unsere Feuertaufe in Sachen Tempelanlagen. Mit viel zu wenig Hintergrundwissen versorgt, hakten wir beide dieses Erste unserer, noch zahlreich folgenden, Maya- Erlebnisse als eher "ernüchternd" ab und genossen stattdessen die Altstadt Oaxacas. Die Ruinen Palenques hingegen beeindruckten uns durch ihren guten Erhaltungszustand, ihre noch teilweise erhaltenen Wandmalereien und ihre mystische Dschungellage. Doch auch hier war die Menge an Informationen eher dürftig. Eine Karte am Ausgang der Anlage, versetzte uns ins Staunen. Der freigelegte Teil der Mayastadt, den wir soeben mit Mühe in mehreren Stunden durchquert hatten, beträgt nur etwa 10 Prozent der Gesamtanlage. Die hatten damals echt gewaltig was auf dem Kasten; außer das sie anscheinend eine Vorliebe für Menschenopfer besaßen, verstanden sie es, gewaltige Bauten aus dem Boden zu stampfen und besaßen ein Händchen für Geometrie und Kunsthandwerk. Wir quartierten uns gleich für zwei Nächte, in einem "Hippicamp" in der Nähe der Anlage, ein, empfanden es jedoch mehr kommerziel als hippi und fuhren weiter in Richtung Yucatan- Halbinsel. Das erste Mal nach langem wieder das kühle Naß des Ozeans genießen, was für eine Wonne. So wie unsere Mütter uns schufen, sprangen wir in die Fluten des Golfes von Mexiko und befreiten uns vom Schweiß des Tages. Genau das Richtige nach solch einem langen, heißen Tag.

Kurz vor den Toren unseres nächsten , eher ernüchternden , Tempelerlebnisses lernten wir Valerie Pickels kennen. Auf der Unterkunftssuche in dem überschaubaren Örtchen namens Santa Elena, landeten wir nach unserem zweiten Anlauf in Valeries Restaurant. Ihre herzliche und unkomplizierte Art und der überzeugend niedrige Preis ließen uns unsere Villa Wiese unter ihrem Palapa aufbauen. Sie verwöhnte uns mit einem köstlichen Abendessen und wir erholten uns anschließend in ihrem Pool. Valerie ist einer dieser Menschen, die uns wieder einmal die Ausnahme der Regel bestätigte. Menschen, egal welchen Alters, sind zu allem fähig, wenn sie denn wollen. In England geboren, ist sie später nach Kanada ausgewandert, zog ihre Kinder alleine auf, eröffnete ihr eigenes Blumenbusiness, wobei sie sich doch zuvor ums Beschneiden von Haaren kümmerte und ist dann für eine Weile als Englischlehrerin nach Mexico. Dort traf sie durch Zufall, oder wie man es auch immer nennen möchte, auf eine Dame, durch die sie wiederum mit anderen Menschen in Kontakt trat. So ganz sind wir da auch nicht hintergestiegen. Doch diese eine Begegnung hatte eine große Auswirkung auf ihr Leben, Im Endeffekt geriet sie an ein Grundstück in Santa Elena, verkaufte kurzerhand ihr Haus und ihr Blumengeschäft in Kanada, packte ihre Koffer und machte sich auf den Weg in den Süden. Innerhalb von zwei Jahren baute sie sich das auf was wir vor uns sahen. Auf die Frage warum sie denn plötzlich vom Blumen- zum Lebensmittelbusiness wechselte, sagte sie nur: “It got time for a change and I always liked cooking and serving people.” ( Es wurde Zeit für einen Wechsel und ich mochte es schon immer zu kochen und Leute zu bedienen.) Es ist ein Genuss gewesen sich mit Valerie und ihren Freunden zu unterhalten. Schaut euch mal ihr Restaurant an. Thanks a lot for that wonderful and inspiring time we shared with you at this beautiful and peaceful place.

Die Maya- Ruinen von Uxmal erschienen uns nach dieser wunderbaren Begegnung des Vortages als eher nüchtern und langweilig. Die nächsten Tage genossen wir das karibische Meer und befanden uns, ehe wir uns versahen, in Belize. Die Grenzbeamten empfingen uns mit offenen Armen und Reggae Musik. Ihr könnt es Euch schon denken, die Formalitäten waren ein Klacks. Die Beamten lebten den Reggae, trugen Ringe mit Bob Marley Motiven und waren dementsprechend tätowiert. Wir machten ihnen den Vorschlag, den Boden der Halle, in der sie arbeiteten, mit etwas Sand zu füllen und hier und dort Hängematten aufzuhängen, doch sie schmunzelten nur und teilten uns enttäuscht mit, das der Vorschlag bereits zuvor von ihrem Boss abgelehnt wurde. So wie die Grenzbeamten, empfing uns auch der Rest des Landes. Die Menschen hier in Belize, diesem sehr überschauberen Land, sind überwiegend afroamerikanischer Abstammung, sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Belize erreichte seine Unabhängigkeit vom Königreich Englands erst im Jahre 1981. Diese Vergangenheit ist auch Grund für die englische Landessprache und das Abbild der Königin, die die Währung des Landes ziert. Wir durchquerten diesen kleinen Flecken Erde in nur zwei Tagen, doch stellten schnell fest, das er voller Naturschönheiten steckt und die Einheimischen Gefallen daran finden, Fremden zuzulächeln und zu winken. Auf der alltäglichen Quartiersuche fuhren wir, einem Hinweisschild folgend, entlang einer kleinen Straße, die ins Nichts zu führen schien. Nach einer Weile entschieden wir uns auf Grund zunehmender Dämmerung umzukehren und zur Hauptstraße zurück zufahren. Wir hielten an einem anderen Platz, den wir zuvor übersehen haben mussten und versuchten es mit hupen, klopfen und rufen. Die “Treehouse- Lodge” befand sich noch im Aufbau, so verriet uns ein Schild, trotzdem hatten wir mal wieder Glück, als Jenny auf uns aufmerksam wurde und uns nach Rücksprache mit ihrem Mann Jim, grünes Licht gab. Die beiden stammen aus den USA und leben schon seit mehreren Jahrzehnten hier in Belize, sie betreiben eine Radiostation, ein Gästehaus, eine kleine Schule und träumen davon, in naher Zukunft, auf ihrem riesigen Grundstück, eine Art Zufluchtsort für, aus der Gemeinde ausgestoßene, Mennoniten aufzubauen. Schnell stellte sich im Gespräch mit Jim heraus, das er sich vom Lord, dem heiligen Vater, zu dieser Aufgabe berufen fühlt und auch uns versuchte das Christentum näher zu bringen. Sofort stiegen alte Erinnerungen in uns auf, es ist fast wie damals in dem Gospelcamp in Kanada gewesen. Kurz nach unserem Erreichen der "Treehouse- Lodge", traf noch eine weitere Person, auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, ein. Dan, ebenfalls Nordamerikaner, ist auf dem Weg zu dem selben Ort gewesen wie wir, dann jedoch, ebenfalls aufgrund zunehmenden Dunkelheit, umgekehrt. Er hatte zuvor gehört, das dieser Streckenabschnitt nicht sonderlich sicher sei. Wie wir erfuhren, widmete auch Dan sein Leben dem Lord. Er erfuhr in den Vereinigten Staaten, dass einer seiner "Brüder" hier in diesem kleinen Ort in Belize Hilfe benötigte. Ohne jegliche weitere Informationen setzte er sich in den Flieger um zu helfen. Dan erschien uns absolut gar nicht als eine Art Abenteurer und Draufgänger, umsomehr bewunderten wir seine Blitzaktion und lauschten seinen Geschichten. Dan schien ein sehr flexibler Typ zu sein, er ist in seinem bisherigen Leben vielen verschiedenen Beschäftigungen nachgegangen, ob Tierpfleger, Hausmeister oder Fahrer eines riesigen Schaufelladers. Nun saß er hier mit uns an einem Tisch in Belize und hatte durch diesen kleinen "Zufall" Jim, einen seiner "Brüder" kennengelernt, die beiden hatten eine Menge zu teilen. Wir sind ganz sicher, das Dan seinen Weg finden wird, oder bereits in diesem Moment gefunden hat, ob ihm dabei der heilige Vater die richtige Richtung gewiesen hat, sei dahingestellt. Das sollte jeder so halten, wie er es für richtig hält. Bei unserer Verabschiedung beteten sie für uns. Bereits einen Tag später erreichten wir die Grenze zu Guatemala, das fünfte Land unserer Reise.

Thanks to Jenny, Jim and Dan for this "warm" stay. Dan, it looks like everything is working out for you, let us know some day where you ended up.

Seit dem Verlassen Mexikos wird uns immer häufiger vor Augen gehalten, das der größte Teil der zentralamerikanischen Bevölkerung deutlich unterhalb der Armutsgrenze lebt. Die wenigsten Menschen besitzen irgendeine Art von Luxusartikel, sie leben in ärmlichen Bretterverschlägen, die bei uns in Deutschland selbst von der einfachsten Gartenlaube übertroffen werden. Die Überzahl der Menschen legt weite Strecken zu Fuß zurück, dabei schleppen sie oft schwere Feuerholzbündel. Die wenigsten besitzen den Luxus eines Fahrrades, Pferdekarrens oder gar eines Mopeds. Wir haben oft gesehen wie Frauen am Rande eines Flusses ihre Wäsche wuschen. Mit kleinen Straßenständen versuchen sie sich etwas Geld zu verdienen; Kinder, die im vierspurigen Straßenverhehr der versmogten Städte Windschutzscheiben der Autos säubern oder selbstgemachte kleine Kunstwerke aus Grashalmen verkaufen, während gleichaltrige Kinder in den Industrienationen zur Schule gehen um eine gute Ausbildung für eine gute Zukunft zu erlangen. In jeder Ecke sieht man Müll, so etwas wie Recycling gibt es hier nicht, verständlich, steht doch der Überlebensdrang an erster Stelle. Wen interessiert da der Müll, wo er sich doch direkt vor Ort verbrennen läßt. Die örtlichen Deponien nimmt man meistens zuerst mit der Nase wahr, bevor man sie zwischen wunderschöner, grüner Natur entdeckt. Es ist ein trauriger Anblick die brennenden Müllberge zu sehen, doch ebenso verständlich das die Regierungen nicht das Kapital besitzen, etwas an dieser Situation zu ändern.

In Guatemala besuchten wir den kleinen, auf einer Halbinsel im Lago Peten Itza gelegenen, Ort namens Flores und fuhren anschließend in den Süden. In Coban gönnten wir uns für zwei Nächte ein Motelzimmer und lernten dabei unsere Gastgeber etwas besser kennen. Ein alteingesessenes sauberes Familienunternehmen, das irgendwo in den Fünfzigern hängen geblieben zu sein schien. Wir nutzten das Motel als Homebase und fuhren von dort nach Semuc Champey, hierbei handelt es sich um einen, fern vom Jubel gelegenen, Abschnitt eines Flusses, der eine Besonderheit aufweist. Der größte Teil des tobenden Wassers verschwindet lautstark für einige hundert Meter in den dunklen Untergrund. Ein Teil des Wassers fließt in aller Ruhe oberirdisch weiter und bildete im Laufe der Jahrhunderte durch Ablagerung von Sedimenten wunderschöne, wassergefüllte Terassen. Es war ein Genuß sich in dem kühlen Naß zu erfrischen. Um zu diesem idyllischen Ort zu gelangen, fährt man für zirka 40 Kilometer auf einer gut ausgebauten, asphaltierten Straße durchs Gebirge, bis diese dann endet und in eine kleine, Buckelpiste übergeht. Die Erbse wühlte sich ohne jegliche Beschwerden durchs Geröll und überraschte uns mit ihrer guten Geländetauglichkeit, wenn auch manchmal etwas mehr Bodenfreiheit nicht geschadet hätte. Auch als uns Einheimische seltsam ansahen und uns zu verstehen gaben, das die letzten Kilometer nur mit Allradfahrzeugen zu bewältigen wären, versuchten wir es und erreichten unser Ziel langsam, jedoch an einem Stück. Auf diesem Streckenabschnitt wiederfuhr uns auch das Erlebnis mit den Kindern, von dem wir Euch zu Beginn erzählten. Wir blieben für eine Nacht in der Nähe des Flusses und wühlten uns am nächsten Tag wieder durchs Unterholz in Richtung Coban.

Im Internetladen des Ortes lernten wir Osbely kennen. Auf die Frage nach einer Kneipe, begleitete er uns kurzerhand. Er verriegelte den Laden, wir schwangen uns auf sein Motorrad und fuhren zu dritt durch das nächtliche Coban. Was für ein Spaß! Wir amüsierten uns prächtig, sie spielten Musik aus unserer Jugend und wir hatten eine Menge zu quatschen. Osbely wuchs uns schnell ans Herz. Nachdem die Kneipe schloß, versuchten wir vergebens den Abend in unserem Motelzimmer fortzusetzen. Da auch dieser Versuch fehlschlug, schnappten wir uns das Bier, das wir seit Mexico mit uns spazieren fuhren und setzten unsere nette Unterhaltung im zentalen Park des Ortes fort. Dort philosophierten wir, leicht angeheitert, über das Leben und die Liebe. Es war eine ganz besondere Nacht. Hey Osbely, you are a great guy, we are happy that we got to know you. If you ever get the chance and decide to go to Germany, Australia or somewhere else, let us know. If we are around, you will have a place to stay and friends that are more than happy to see you again. Take care!

Am nächsten Morgen sattelten wir die Erbse, zu gerne hätteten wir noch etwas mehr Zeit mit unserem Freund verbracht, doch da gab es erneut einen Termin, den wir nicht verpassen wollten. Wir verbrachten eine Nacht in einem kleinen Ort am Rande Guatemala Citys, bevor ich mich für eine Woche nach Seattle absetzte und Dirk in einer Sprachschule in Antigua sein Spanisch aufbesserte.

Nun sind wir seit fast einem Jahr unterwegs, das entspricht der Zeit, die wir für die komplette Reise veranschlagt hatten. Haben zirka 30 tausend Kilometer in der Erbse und einige Kilometer mit dem Greyhound, dem Flieger und in der Gurke zurückgelegt, haben verdammt viel gesehen und erlebt und dabei nicht einmal bereut mal “etwas anderes” gemacht und den Arsch hochbekommen zu haben. Wir hoffen, in jeden einzelnen von Euch, zumindest so etwas wie ein Kribbeln verursacht zu haben. Es hat nichts mit Hexerei zu tun und Millionäre sind wir auch keine, es sind oft nur die Hürden im eigenen Kopf, von denen man sich viel zu schnell bremsen läßt. Wenn Euch etwas reizt, macht es.

mz-ar.jpg

sb-pelicano.jpg

ga-t-clown1.jpg

tv-camera.jpg

df-cath-au.jpg

hw-heini.jpg

mxdf-policia.jpg

mxdf-taxi-f.jpg

mx-fans-fam.jpg

mxpa-erbse-tor2.jpg

es-eduardo.jpg

av-tiempo.jpg

mxpa-policia-p.jpg

mxci-elcastillo.jpg

mxpa-kirche.jpg

mxpo-natascha.jpg

mxmn-tordetr.jpg

mx-misol-ha.jpg

mxyn-calderitas.jpg

mxtm-tordematte.jpg

bz-jaguar.jpg

bz-jimhaus.jpg

gt-semuc-schlund2.jpg

gt-tikal-nb.jpg

eaw-pig.jpg

gt-altavp-2c.jpg

pano-palenque.jpg

(c) 2008 J. Meinecke, D. Dahmer und T. Schmitz Nutzung der Inhalte nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung der Urheber.